Frankopanen

Aus Kroatien Lexikon
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Frankopanen – Eine kroatische Fürstenfamilie

Die Adelsfamilie bzw. die Adelsfamilien der Frankopanen, haben in der Zeit von 1118 bis 1671, also über 500 Jahre mehr oder weniger, die Ereignisse in Kroatien und damit in Südosteuropa beeinflussen, aber nicht bestimmen können. Gemeinsam mit der ungarischen Grafenfamilie Zrinski, gehörte sie später, zu den mächtigsten Fürstenfamilien in ganz Kroatien. Als sich die Fürstenfamilien im Jahre 1089 nicht auf einen neuen eigenen kroatischen König einigen konnten, waren die Frankopanen nicht daran beteiligt. Bemerkenswert ist aber, daß diese Familie oder besser Teile davon, bis in die heutige Zeit, vom kroatischen Volk, als Patrioten und Märtyrer verehrt wird. Zahlreiche Schulen, Straßen und Plätze sind nach ihnen benannt. Wichtig ist zu erwähnen, daß die Frankopanen in alten Schriften auch Frankapani, Frangepana genannt wurden. Erstmals mit Einführung der lateinischen Schrift in Kroatien wurden sie Frankopani genannt. Sie wurden, auf der Insel Krk, zu Fürsten ernannt, obwohl die damalige Zeit von der Rivalität und den Kriegen zwischen Venedig und Ungarn geprägt war. Gerade die Insel Krk war von beiden Mächten, wegen ihrer strategischen Lage, umkämpft. Sie wurden von beiden Seiten offensichtlich deshalb akzeptiert, weil die Einen und die Anderen, ein Interesse daran hatten, daß die Seewege entlang der Mittelmeerküste, vor anderen Mächten, geschützt wurden. Ob es sich um eine einheimische, oder zugezogene Familie handelte, ist bis heute nicht klar bewiesen. Für beide Versionen gibt es Hinweise. Später herrschten sie nicht nur auf der Insel, sondern konnten, über die Jahrhunderte, ihren Machtbereich bis weit ins Binnenland ausdehnen. Das ist um so mehr verwunderlich, da auf dem Weg dorthin, riesige topographische Hindernisse zu überwinden waren.

Obwohl diese Fürsten über 500 Jahre unter dem ungarisch/kroatischen König und dem österreichischen Kaiser, kraft ihres Amtes, die Geschicke ihres Landes beeinflussen konnten, hat sich die wissenschaftliche Geschichtsschreibung, wenig mit ihnen auseinander gesetzt.

Stammvater der Fürstenfamilie war Dujam I. der im 12. Jahrhundert in seiner Festung Gradac auf der Insel Krk in der Nähe des Ortes Vrbnik gelebt hat. Er war mit seiner Frau Marija verheiratet und hatte drei Söhne. Bartol I., Vid I. und Bartol II. Im Jahre 1118 hat er einen Vertrag mit Venedig abgeschloßen, in dem ihm die Insel Krk als Fürstentum überlassen worden ist. Folgende Söhne der Fürstenfamilie sind besonders bekannt geworden:

  • Ivan V. Frankopan, geb.1358, gest. 29.11.1393
  • Nikola IV., geb.1394, gest. 26.05.1432 Ban von Kroatien und Dalmatien, sein Sohn
  • Stjepan II., geb. 1416, gest. 1481
  • Krsto I, gest. 27.09.1527, seine Ehefrau war Apolonia Lang aus Augsburg
  • Ferdinand I. im Jahre 1508 ernannter Bischof von Modruš
  • Nikola VI., Tržaćki geb. 1458, gest. 1523
  • Krsto III. Kardinal und Bischof von Trident
  • Juraj II. geb. 1520, gest. 1553
  • Stjepan III. geb. 1544, gest. 1577, seine Ehefrau Katarina Eck de Hungerspach
  • Nikola VIII. Tržački geb.1556, gest.1577
  • Franjo I. geb.1536, gest. 02.12.1572
  • Vuk II. Krsto geb. 1589, gest.1652 seine Ehefrau Uršula Inkofer
  • Franjo II. Krsto durch Enthauptung am 30.04.1671 gestorben

Mit dem Tod von Franjo II. endete das Fürstengeschlecht der Frankopanen, weil der Familie, von dem österreichischem Kaiserhaus, die Fürstenwürde entzogen worden ist. Der Fürst Dujam I. hatte insgesammt 111 Nachfolger (Töchter und Söhne).

Die wichtigste Arbeit, die ausführlich über diese Familie berichtet, stammt von dem kroatischen Historiker Vjekoslav Klaić. Diese wurde erstmals 1901 in Zagreb veröffentlicht.

Unter dem Titel: "Krcki Knezovi Frankapani"

schreibt er ausführlich über diese Familie. Es sind nur zwei größere Veröffentlichungen, in deutscher Sprache bekannt.

In einer alten Allgemeinen Enzyklopädie von Ersch-Gruberov, hat er über die Frankopanen geschrieben "Je höher die Macht und der Glanz dieser Häuser gestiegen ist, desto größer war der Reiz zur Verfertigung fabelhafter Genealogien. Nur als Beispiel, wohin sich die grundlosen Träumereien oder absichtliche Erdichtungen versteigern können, wird hier angeführt, daß dem Hause Habsburg ein trojanischer Ursprung gegeben wurde, indem man es teils von dem Geschlechte der Frangipani oder Petro-Leone zu Rom (das aber jüdischen Ursprungs ist); teils von den Merowingern, und beide wieder aus trojanischen Geblüte und dann von Gam ableitete".

Der ungarische Historiker Dr. Moritz Wertner veröffentlichte in der Wiener Fachzeitschrift "Adler" 1894 eine Arbeit mit dem Titel "Die Frangepan" und schreibt:

"Daß ich hier nachdrücklichste bloß den genealogischen Zweck hervorhebe, hat darin seinen Grund, daß eine vollständige Geschichte dieser Familie Stoff zu Ausfüllen zahlreicher Bände bietet. Aber auch die compendiöseste Genealogie dieses hochgerühmten Hauses verdient die regste Aufmerksamkeit aller interessierter Kreise schon deshalb, weil eine solche, die den Anforderungen der heutigen Kritik entspräche, dermalen nicht existiert. Was bisher über den ungarischen Zweig der Frangepan in die Öffentlichkeit gedrungen, ist bloß zerstreutes Material, und selbst die einschlägigen Abhandlungen des ungarischen Akademikers Dr. Gustav Wenzel sind nur Bausteine".

Eine erste, ausführliche und handschriftliche Chronik, über die Frankopanen, ist von dem venezianischen Gouverneur Antonio Vinciguerra, der von 19.4.1480 bis 24.4.1481 nach Krk geschickt worden war, veröffentlicht worden. Es ist die älteste und ausführlichste Arbeit, über dieses Fürstenhaus. Er berichtet darüber, daß Dujam I. den Namen Frankopan o.ä. einfach von einer anderen Familie angenommen hat, ohne dazu eine Erlaubnis oder Ermächtigung zu haben. Er schreibt und bestätigt, daß amtliche Dokumente usw. von ihnen nicht, mit diesem oder ähnlichem Namen, unterzeichnet worden sind. Vinciguerra konnte nicht durchgehend alle Dokumente studieren, da diese nicht mehr oder gar nicht vorhanden waren. Deshalb ist er auch häufig, auf Schlußfolgerungen angewiesen. Im Jahre 1118 eroberten die Venezianer ein zweites mal die Insel Krk und mit einem Vertrag übernimmt es der dort lebende Fürst Dujam I. als Lehensbesitz. Nach seinem Tod im Jahre 1163, vertraut Venedig mit dem Vertrag vom 3.8.1163, das Erbe der Insel, den Frankopanensöhnen Bartol und Vid an. Mit diesem Vertrag verpflichteten sich die Fürsten, den Gesandten aus Venedig zu empfangen und die Bürger nicht zu belasten. Die Boote der Inselbewohner durften nicht mit Abgaben belegt werden. Sie durften nicht mit Gewalt Esel rauben. Sie durften nicht aus den Weingärten die Körbe mit den Trauben entfernen und sie durften kein Vieh rauben. Sehr schnell erstarkte das Adelsgeschlecht der Frankopanen und sie erweiterten innerhalb von kurzer Zeit, ihre Herrschaft, auch auf das Festland. In der Zeit von 1244 bis 1260 wurde ihnen zwar, von Venedig, kurz die Fürstenwürde entzogen, doch das konnte den Aufstieg nicht mehr aufhalten. Diese Schilderungen hat er allerdings nicht klar aus Dokumenten übernommen, sondern hat, aus dem was er studieren konnte, selbst Schlußfolgerungen gezogen. Fest steht, daß erst im Jahre 1430 Papst Martin V. (1417-1431) den Namen, unter dem sie sich nannten, bestätigt hat. Als der kroatische Ban Nikola und der damalige Krker Fürst Ivan, bei ihm zu Gast in Rom waren, bestätigte Papst Martin V. dem Krker Fürsten Iran V., daß die Familie Frangepani von altem römischen Blut und vom Stamm des früheren heiligen Papst Gregorius sei. Der Papst wollte den mächtigen und frommen Ban Nikola hofieren und gab Fürst Ivan offiziell das Recht, sich Fürst Frangepani zu nennen. Papst Martin V. gab den Frankopanen ein neues Familienwappen, auf dem zwei goldene Löwen zu sehen sind, die ein Stück Brot brechen. (Übrigens: Brot brechen heißt auf lateinisch: frangere panem). Erst ab dieser Zeit unterzeichneten die Krker Fürsten die amtlichen Dokumente mit dem Namen de Frankapan.

Erster Amtssitz der Frankopani war die Burg Gradec im Inneren der Insel Krk. Gradec liegt zwischen dem Dorf Garica und der Stadt Vrbnik. Die Ruinen aus dem 12. Jahrhundert sind heute verfallen und weitgehend zugewachsen.

Im Jahre 1191 verlegten die Fürstenbrüder Bartol I und Vid I ihren Amtssitz in die damals von 2017 Einwohnern, bewohnte Bischofsstadt Krk, weil dort für den Bischof, ausreichendere und bessere Befestigungsmauern, errichtet worden waren. Es ist festzustellen, daß danach die Krker Fürsten schon bald auf der Insel, aber auch auf dem Festland Kastelle und Burgen errichteten bzw. erneuerten. Die wichtigsten Orte sind Trsat, Grižane, Bribir, Brinje, Novi Vinodolski, Senj, Modruš, Ogulin, Grobnik um nur einige zu nennen.

Von wesentlicher Bedeutung ist aber, daß schon im Jahr 1193 der ungarisch/kroatische König Bela II. dem 3. Sohn von Dujam I, dem Bartol II. die um 820 n.Chr. von den Römern gegründete Festungsstadt und Burg Modruš und das dazu gehörende Land, freiwillig überließ. Modruš lag an dem, sog. „Salzweg“, von Senj ins Landesinnere und war damit von riesiger militärstrategischer und handelspolitischer Bedeutung und von heute nicht mehr vorstellbaren Größe. Die damalige Hauptstadt, der gleichnamigen Zupanija (Bezirkes) liegt am östlichen Fuß des Kapela Gebirges in 400 Metern über d.M. Die Burg, mit unregelmäßigem Grundriß, war auf der Spitze des einsamen Kegelberges errichtet worden. Von dort hatte man einen außergewöhnlich guten Blick, in die Umgebung. Weiterhin bildeten die ein wenig entfernt liegenden Flüsse Kupa, Dobra, Mrežnica, Toujncica ein natürliches Hindernis, für anrückende Feinde. Reste der Burg sind bis heute erhalten geblieben.

Dieser Gunstbeweis, des Bela II., ist um so erstaunlicher, da Dujam I. von den Venezianern, also den damaligen Feinden Ungarns, im Jahre 1118 die Lehnsrechte für die Insel Krk erhalten hatte. Diese Art von ungarischer Diplomatie ist nicht logisch zu erklären. Wie groß dieser Gunstbeweis war, kann man auch daran erkennen, daß Modruš an dem Weg lag, der für König Bela II. der kürzeste Weg von Ungarn nach Dalmatien und der Adriaküste war. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts war Modruš sogar eine Zollstation, an der man den dreißigsten Teil, des Warenwertes als Zoll entrichten mußte.

Diese Situation hielt aber nicht lange an. Durch die Kriegsgelüste und ständigen Angriffe der Osmanen (Türken) wurde das Gebiet der Frankopanen immer wieder zerstört und teilweise entvölkert. Es konnte aber niemals von ihnen, wie z.B. Gebiete in Bosnien und Serbien besetzt werden. Die Frankopanen waren es auch, die Flüchtlinge aus anderen Teilen von Südosteuropa, in ihrem Gebiet ansiedelten, damit es wieder bevölkert wurde. Selbst auf die Insel Krk, sind solche Flüchtlinge gekommen, wo ihnen die Fürsten Land zur Verfügung stellten.

Aus dieser Zeit stammt auch das alte kroatische Lied:

"Da nam nije Slunja i Tovunja, I Modruša pod brdom Kapelom, U ravnici Ostarje crkve: Sve bi tursko do Lubljane bilo"

Übersetzt bedeutet das soviel wie "Wenn wir Slunj und Tounj nicht hätten und Modruš unter dem Berg Kapela und die Kirche in der Ebene von Ostarie nicht, hätten die Osmanen alles, bis Ljubljana eingenommen.

Durch die Errichtung des Militärgrenzbezirks, den der österreichische Kaiser Ferdinand I. 1535 begonnen hatte, um die Osmanen abzuwehren, wurde das unmittelbare Einflußgebiet der kroatischen Fürsten, ständig verkleinert. Davon war auch das Fürstenhaus der Frankopanen betroffen. Das dies bei ihnen keine Begeisterung auslöste, dürfte verständlich sein.

Deshalb waren sie mit den Friedensvertragsvereinbarungen von Kaiser Leopold I. von 1664 gar nicht einverstanden. Zusätzlich zu dem Militärgrenzbezirk, mußten sie einen weiteren Teil ihres Gebietes, an die feindlichen Osmanen abtreten. Die Fürstenfamilien Frankopan und die aus Ungrarn stammende Fürstenfamilie Zrinsky, die auch verschwägert waren, versuchten am Wiener Hofe ständig, daß diese Vereinbarungen wieder revidiert würden, weil dadurch, ihr Wirkungsbereich immer kleiner wurde. Das ihnen diese Situation nicht gefallen konnte, ist aus ihrer Sicht verständlich. In mehreren Gesprächen, bei dem Kaiser in Wien, hatte Fürst Franjo II. Krsto Frankopan und sein Schwager, der Graf Peter Zrinyi versucht, den Kaiser zu einer offensiveren Kriegführung gegen die Osmanen zu zwingen. Aber ein Kaiser und Oberbefehlshaber, läßt sich nicht zwingen. Als sie im Jahre 1671, gemeinsam mit Ferenc Nadasdy und Erasmus von Tattenbach in Wien bei Hofe weilten, brachten sie ihr Anliegen nochmals, bei Kaiser Leopold I. vor. Dieser ließ sich in seiner Meinung, aber nicht beirren und bezeichnete sie als Magnatenverschwörer und ließ sie, in Wiener Neustadt hinrichten, weil sie ihm zu unbequem geworden waren.

Es gibt allerdings auch Historiker und Geschichtsschreiber, die behaupten, daß die Fürsten in Geheimverhandlungen mit dem osmanischen Sultan vereinbart hätten, ganz Kroatien, nach einem Aufstand gegen Kaiser Leopold I. , unter osmanische Oberhoheit zu stellen und sie seien deshalb, als Meuterer und Verschwörer, am 30.04.1671 in Wiener Neustadt hingerichtet worden. Anschließend entzog er der ganzen Familie die Fürstenwürde und ließ ihre gesamten Ländereien beschlagnahmen. Damit ist das Versprechen, welches der Habsburger König Ferdinand I., den Kroaten, Slawonen und Dalmatinern gegeben hatte, als er auch für dieses Königreich die Königswürde übernommen hatte, eindeutig von seinem Nachfolger Leopold I. nicht gehalten worden.

Das die zweite Version unwahrscheinlich ist, kann man an folgendem erkennen:

Die kroatischen Fürsten standen immer, in engster Verbindung, zur römisch katholischen Kirche. Das begann spätestens zu dem Zeitpunkt, als der Papst 1440 ihre Namensbezeichnung bestätigte. Das setzte sich fort, als sie in späteren Jahren, ohne Unterstützung der Kirche, niemals ihre Fürstentümer, hätten erhalten können. Die Verbindungen mit den ungarischen Königshäusern und den Habsburgerischen Kaiserhäusern, wäre ohne Unterstützung der Kirche, niemals zustande gekommen. Die römisch katholische Kirche stand den Osmanen, bekanntlich feindlich gegenüber. Allein deshalb hätten es die Frankopanen niemals gewagt, in Geheimverhandlungen mit dem Sultan zu treten. Weiterhin kann die zweite Version nicht stimmen, weil beide Fürsten, bei einem Besuch in Wien, hingerichtet wurden. Sie sind freiwillig nach Wien gereist um mit dem Kaiser zu verhandeln. Hätten sie vorher Geheimverhandlungen mit dem Sultan geführt, wären sie niemals nach Wien gefahren. Der Kaiser hätte sie mit Sicherheit, durch seine Militärorgane, die reichlich in Kroatien anwesend waren, verhaften und dann nach Wien transportieren lassen.

Der Leichnam von Fürst Franjo II. ist zuerst in Wien beigesetzt worden und erst im 19. Jahrhundert nach Zagreb überführt worden. In der dortigen Kathedrale, hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Nachkommen dieser Familie, leben heute in der ganzen Welt.


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