Das Königreich der Kroaten, Dalmatiner und Slawonen - Die Geschichte des heutigen Kroatiens

Aus Kroatien Lexikon
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Die Geschichte des heutigen Kroatien ist nicht einheitlich, sondern entsprechend der unterschiedlichen Landesteile verlaufen. Im Mittelalter hat es das Königreich der Kroaten, Slawonen und Dalmatiner gegeben. Dazu gehörte das Militärgrenzgebiet, auch Militärgrenze genannt, die heutige Krajina. Istrien war immer ein ganz besonderes Gebiet.

In Lexikon Meyers Konversations-Lexikon von 1889 wird das Gebiet von Kroatien und Slawonien (leicht abgeändert, soweit wie möglich wurden die deutschen Orts, Fluß- und Bergnamen in die heutigen kroatischen Bezeichnungen geändert) wie folgt beschrieben:

Kroatien-Slawonien (ung. Horvát-Szlavonország) ist ein Königreich, welches mit der ehemaligen kroatisch-slawonischen Militärgrenze Bestandteil der Länder der ungarischen Krone ist. Es grenzt im Nordwesten an Steiermark, im Westen an Krain, Istrien und das Adriatische Meer, im Süden an Dalmatien, Bosnien Serbien, im Osten und Norden an Ungarn und hat eine Gesamtfläche von 42.516 qkm (772,1 QM.), wovon auf Kroatien 13.639 qkm (247,7 QM.), auf Slawonien 9.638 qkm (175 QM.) und auf die ehemalige Militärgrenze 19.238 qkm (349,4 QM.) entfallen.

Wappen des Königreich Kroatien

(Es sei hier erwähnt, daß dieser Bericht von drei Landesteilen handelt: Von Kroatien, Slawonien und der ehemaligen Militärgrenze dem Militärgrenzbezirk.)

Geographisch zerfällt das Land in zwei durch die Kupa getrennte Gebiete: eine nördliche, von den Ausläufern der südöstlichen Alpen bedeckte waldreiche Berglandschaft und ein südliches Hochland von kalkartigem Gestein der Karstformation. Zu den Alpen gehört das aus der Steiermark herüberreichende Matzelgebirge; ihm folgt das Ivancica (1.061 m) und Kalnikgebirge (639 m). Nördlich von Zagreb erhebt sich der isolierte Stock des vulkanischen Sljemegebirges (1.035 m). Der niedrige Bjielo-Vrh bildet die Verbindung mit den slawonischen Gruppen, die den Kessel von Požega einschließen, und deren höchste Gipfel der Czerni-Vrh (827 m), Papok (954 m) und Brezovo-Polje (984 m) sind. Nach einer Unterbrechung taucht als letztes Glied das Verdnikgebirge oder die Frusca Gora (537 m) auf. Eine Berginsel bildet der Garic mit dem Hunka (484 m), eine andere südlich von der Gurk das Uskokengebirge (1.175 m).

Im Karst unterscheidet man den Liburnischen Karst (längs der Küste von Rijeka bis Novi Vinodolski mit dem Risnjak, 1.526 m), die Große Kapella mit dem Klek (1.182 m) und der Bjielolasica (1.533 m), und die Kleine Kapella mit der Mala Gorica (1.182 m), den Velebit am Adriatischen Meer, mit der Plisevica (1.653 m) im Norden und dem Sveto Brdo (1.753 m) im Süden.), den die Straße nach Obrovac in 1008 m Höhe überschreitet, sowie das Plisevicagebirge östlich von der Kleinen Kapella (1.649 m). Zwischen diesen Kalkmassen breiten sich die Mulden von Ogulin, Otočac, Gospić in wachsender Höhe aus; die höchste derselben ist die von Korenica (658 m). Die waldigen Bergzüge zwischen Kupa und Una sind niedrig und übersteigen nur mit einem Gipfel eine Höhe von 600 m.

Die wichtigsten Flüssen sind die Drava (mit der Bednja und Karatčića) und die Save (mit der Kupa, welche einerseits durch die Dobra und Korana, anderseits aber durch den Abfluß der im Kleinen Kapellagebirge befindlichen sieben Plitviceseen und durch die Glina verstärkt wird. Flüsse, die im Karst verschwinden, sind die Gačka, die Lika u. a. Nach Dalmatien fließt die Zermanja ab. Unter den warmen Mineralquellen sind die vorzüglichsten: Krapina, Varaždin-Toplica, Topusko, Lipik und Daruvar.

Die Küste des Adriatischen Meers ist mit Ausnahme der Bucht von Kraljevica arm an Häfen und den Stürmen der Bora ausgesetzt. Das Klima des nördlichen Gebiets ist gemäßigt warm. Die mittlere Jahrestemperatur von Zagreb beträgt 11,3° C., von Rijeka 14,4° C. (im Januar 6° C., im August 25° C.), auf dem Karste dagegen, wo das Klima infolge der kalten Luftströmungen rauh ist, 8-6° C.; nur in den Mulden steigen die Temperaturen etwas (z. B. in Gospić bis 9° C.). Die Regenmenge im Flachland (60 cm im Jahr) verdoppelt sich (bis 130 cm) an der Seeküste und im Karsthochland.

Die Bevölkerung besteht 1881 aus 1.892.499 Einwohnern (gegenüber 1.838.198 im Jahre 1869), davon sind 49,9 Prozent männlich und 50,1 Prozent weiblich. Auf das eigentliche Kroatien entfallen 1.194.415 (Kroatien 816.802, Slawonien 377.613), auf die ehemalige Militärgrenze hingegen 698.084 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte beträgt 44 Einwohner pro qkm. Die überwiegende Nation sind Slawen (darunter 1.712.353 Kroaten und Serben). Der Rest besteht aus Deutschen (83.139), Ungarn (41.417), Italienern, Griechen und anderen Volksgruppen.

Nach Religionszugehörigkeit zählt man 1.346.485 Römisch-Katholische, 10.640 Griechisch-Katholische, 497.746 Griechisch-Orientalische (Orthodoxe, der Begriff serbisch Orthodoxe wird noch nicht gebraucht)), 15.241 Evangelische, 8.443 Reformierte und 13.488 Israeliten (Juden). Die Deutschen sind teils Handwerker, teils Beamte, in Slawonien auch Kolonisten; die Ungarn leben vorwiegend in Dörfern Slawoniens, die Italiener in einigen Küstenstädten. Die Kroaten (eigentlich Chorwaten, von Chora oder Gora, Berg, also Gebirgsbewohner) sind ebenso wie die Slawonier ein kräftiges Volk von hohem Wuchs mit gebräunter Hautfarbe. Bei den eigentlichen Kroaten und Slawonen findet man sehr häufig auch lichtes Haar, das der serbischen Einwohner ist dunkel. Das Landvolk lebt in primitiven, meist kärglich eingerichteten Wohnungen.

Der Kroate trägt enge weiße Beinkleider aus Halinatuch, der Slowene dagegen weite, weiße, unten gefranste Leinenhosen. Überdies gehören zur Volkstracht Bundschuhe (opanke), ein weißer Mantel und ein schwarzer, runder, breitkrempiger Hut. Die Frauen kleiden sich zumeist in einfache weiße Leinenstoffe, die Slawonen tragen auch kurze, farbige, gestickte Jacken.

90 Prozent der Bodenfläche werden bewirtschaftet, in den ehemaligen Militärdistrikten (Karstgebiet) dagegen nur 81½ Prozent. Davon ist kaum ein Drittel Ackerland. Der Anteil an Waldfläche beträgt 39 Prozent, in der früheren Militärgrenze 28 Prozent. Von gleichem Umfang ist in der letztern das Wiesen- und Weideland, welches im übrigen Landesgebiet nur 19 Prozent ausmacht.

Kraina-Istrien Karte aus Meyers Konversationslexikon von 1886
Hauptprodukte sind: Getreide, Mais, Hülsenfrüchte, Hirse, Raps, Kartoffeln, Kraut, Rüben, Flachs, Hanf und besonders viel Holz; Tabak gedeiht um Požega am besten. Die Komitate (vor allen Syrmien) produzieren viel Wein, weniger die ehemaligen Militärdistrikte.

Die Pferde- und Rinderzucht wird (besonders in Slawonien) mit Erfolg betrieben, weniger jedoch die Schafzucht, welche auch nur in Kroatien mehr veredelt auftritt; dagegen begünstigen die Eichenwälder Slawoniens die Schweinezucht und der reichliche Obstbau die Erzeugung des Pflaumenbranntweins (Šljivovica). Bienen sind häufig, ebenso Geflügel aller Art. Im Jahr 1884 betrug die Zahl der Pferde 217.112 (darunter 8.461 Hengste), 1881 jene des Hornviehs 712.805, der Schafe 588.638 (veredelte 20.623), der Ziegen 99.724 und der Schweine 468.053 Stück. In dem östlichen Gebiet der ehemaligen Militärgrenze rentiert sich auch die Zucht der Seidenwürmer. Fische liefern die Flüsse in Menge, Blutegel die Sümpfe und Teiche, namentlich um Osijek.

Nur an Erzen und Mineralien ist Kroatien arm. Die wenigen Eisenerzgruben und Hüttenwerke (Rude, Petrovagora, Trgovo), die Silber-, Kupfer- und Bleigruben (Trgovo), der Bergbau auf Zink (Ivanec), Schwefel (Radoboj), dann die zwar sehr bedeutenden, aber nur zum Teil bloßgelegten Kohlenflötze (zwischen Drau und Kupa) liefern keine großen Erträge. Die Industrie beschränkt sich zumeist auf die städtischen Gewerbe, wogegen die Hausindustrie auf dem Land noch immer den größten Teil des Bedarfs deckt. Letztere besteht hauptsächlich aus Spinnerei und Weberei (insbesondere Teppiche und in Syrmien auf feine, fast durchsichtige Baumwoll- und Seidengewebe [Misir] nach orientalischem Muster) und beschäftigt (1883) 16.343 Männer und 144.593 Frauen. Die Zahl der Gewerbetreibenden ist dagegen kaum halb so hoch. Die jährliche Produktion der Hausindustrie repräsentiert einen Wert von 1,2 Mill. Gulden. Unter den Gewerben ragt namentlich die Holzindustrie hervor. Das Fabrikwesen ist noch wenig entwickelt. Bedeutendere Unternehmen sind: die beiden Syrmierer Zementfabriken, die Papierfabrik in Rijeka (auf kroatischem Gebiet), 2 Sessel-, 2 Möbelfabriken, eine Parkett-, eine königliche Tabaks-, eine Leder- und Steingutfabrik in Zagreb, eine Gerbsäurefabrik in Zupanje, eine größere Schiffswerft, 14 Dampfsägen, 81 Kunstmühlen, 7 Glashütten, mehrere Ziegelfabriken, verschiedene Fabriken für Holzwaren etc. Der Handel erstreckt sich zumeist auf Getreide, Holz, Wein und sonstige Naturprodukte. Im Küstenland steigt der Export an Nutzholz (Faßdauben, Bäume für Schiffsmasten etc. sowie für den gesamten Seeverkehr). Aus Slawonien werden große Mengen von Getreide, rohen Fellen und Häuten, dann Ochsen, Schweine, Honig, Obst (insbesondere Pflaumen und Äpfel) Šljivovica und Wachs ausgeführt. Der Import umfaßt alle Arten von Manufaktur-, Luxus- und Kunstgegenständen.

Die wichtigern Handelsplätze sind: Senj, Bakar und Kraljevica für den See-, sowie Zagreb, Sisak, Osijek und Vukovar für den Landverkehr. Den letztern ermöglichen, abgesehen von der lebhaften Schiffahrt auf den Hauptflüssen, von denen außer der Donau auch die Drau bis Barcs und die Save bis Sisak mit Dampfern befahren wird, drei Kunststraßen, und zwar die Luisen- (Karlovac-Rijeka), die Josephinen- (Karlovac-Senj) und Karolinenstraße (Karlovac-Kraljevica) sowie die ungarischen Staatsbahnlinien Budapest-Semlin, Milrovic-India, Großwardein-Osijek-Villany, Zakany-Zagreb-Rijeka, Sisak-Doberlin, Dalja-Vukovar-Brod) und die österreichische Südbahnstrecke Steinbrück-Zagreb-Sisak, welche sich an die ungarischen, serbischen und österreichischen Bahnen anschließen und durch die neuen Linien Sunja-Brod-Novo-Gradisca und die Zagorianer Bahn (Csakathurn-Zaprežic) erweitert werden.

Handels- und Gewerbekammern bestehen in Zagreb, Osijek und Sisak. Das Niveau der geistigen Kultur ist noch verhältnismäßig niedrig. Es gibt über 1.200 Volksschulen, welche 1881 von 94.110 Kindern (88.151 Knaben und 5.959 Mädchen) besucht wurden. 72,5 Prozent der Bevölkerung (gegen 1870: 84 Prozent) sind des Schreibens und Lesens unkundig. Kroatien hat eine Universität (seit 1874 in Zagreb), 11 Gymnasien, 6 Realschulen, 2 Präparandien, 4 bischöfliche Seminare, eine land- und forstwissenschaftliche Schule (in Križevci), eine nautische Schule und 3 Handelsschulen. Außerdem gibt es in Kroatien eine südslawische Akademie der Wissenschaften und Künste, mehrere Bibliotheken, Museen und wissenschaftliche Vereine. Die gebildeten Kreise bemühen sich eifrig darum, das Niveau der kroatischen Sprache und Nationalliteratur anzuheben.

Politisch eingeteilt war Kroatien früher in fünf Komitate: Zagreb, Bjelovar, Rijeka (ohne Stadt Rijeka), Križevci und Varaždin; Slawonien bestand aus drei Komitaten: Požega, Syrmien und Virovitica. Außerdem gehörte zum Ländergebiet das ehemalige kroatisch-slawonische Gebiet Militärgrenze (Grenzgebiet), welches in fünf Distrikte (Banater, Broder, Gradiscaner, Lika-Otocaner und Ogulin-Slunjer) eingeteilt war. Die Komitate bestanden aus mehreren Vizegespanschaften, die Distrikte aus Bezirken. Seit dem Jahr 1886 ist Kroatien samt dem Grenzgebiet in acht neue Komitate eingeteilt: 1) Lika-Krbava, mit dem Amtssitz Gospić (und den Städten Karlobag und Senj). 2) Modruš-Rijeka, mit dem Amtssitz Ogulin (und der Stadt Bakar). 3) Zagreb, mit dem Amtssitz Zagreb (und den Städten Sisak, Karlovac, Petrinja und Kostajnica). 4) Varaždin, mit dem Amtssitz Varaždin (und der Stadt Koprivnica). 5) Bjelovar-Križevci, mit dem Amtssitz Bjelovar (der Stadt Križevci und der Festung Ivanić Grad). 6) Požega, mit dem Amtssitz Požega (und den Hauptorten Pakrac und Nova-Gradiška). 7) Virovitica (Veröce), mit dem Amtssitz Osjiek (und der Stadt Brod). 8) Syrmien, mit dem Amtssitz Vukovar (den Städten Mitrovica, Zemun und Karlovec und der Festung Petrovaradin). Landeshauptstadt ist Zagreb.

Infolge des mit Ungarn getroffenen staatsrechtlichen Ausgleichs besitzt Kroatien hinsichtlich der inneren Verwaltung, der Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten und des Justizwesens Autonomie. Gemeinschaftlich sind die Militär-, Finanz- und Münzangelegenheiten, das Handels-, Gewerbe-, Bank- und Kommunikationswesen, das See-, Handels- und Bergrecht sowie die Gesetzgebung über die Staatsbürgerschaft. In die Magnatentafel (Parlament) des ungarischen Reichstags entsendet Kroatien außer den Erzbischöfen, den Bischöfen und dem Großpropst des Zagreber Domkapitels drei Abgeordnete des kroatisch-slawonischen Landtags (Sabor), 40 vom Landtag (Sabor) gewählte Abgeordnete, welche auch das Recht haben, sich bei den Parlamentsverhandlungen der kroatischen Sprache zu bedienen. Der kroatisch-slawonische Landtag (Sabor) besteht aus den Erzbischöfen von Agram und Karlovec, den Diözesanbischöfen, dem Zagreber Großpropst, den Obergespanen, dem Comes des privilegierten Distrikts Turopolje, den großjährigen Magnaten und 112 auf drei Jahre gewählten Abgeordneten. Das Vermittelungsorgan zwischen Königreich und Krone bildet ein Minister ohne Portefeuille (der Minister für Kroatien-Slawonien-Dalmatien), welcher im ungarischen Ministerrat seinen Sitz hat. Die oberste Verwaltung übt die königliche Landesregierung in Zagreb aus, an deren Spitze steht der dem Landtag (Sabor) verantwortliche Banus.

Als Gerichtsbehörden fungieren in oberster Instanz die königliche „Septemviraltafel“ in Zagreb, in zweiter die königliche Banaltafel und in erster Instanz 13 Gerichtshöfe und 67 Bezirksgerichte. Die finanzielle Verwaltung wird durch die Finanzdirektionen in Zagreb und Osijek geleitet.

Im folgenden wird die Geschichte bis 1889 beschrieben: Das heutige Kroatien wurde im Mittelalter vorzugsweise Slavonia genannt, während das jetzige Hochkroatien, Türkisch-Kroatien und Bosnien den eigentlichen Kern des historischen Croatia ausmachten, und war in frühester Zeit von den Pannoniern bewohnt, nach deren Besiegung durch Octavianus (35 v. Chr.) es eine Provinz von Illyrien wurde. Bei der Teilung des Römischen Reichs (395 n. Chr.) wurde es dem abendländischen Reich zugeschlagen. In den Stürmen der Völkerwanderung wechselte es oft seine Besitzer. 489 geriet Kroatien in die Gewalt der Ostgoten, dann der Avaren, bis endlich 634-638 die Kroaten (Chorwaten, Chrobaten) es in dem angedeuteten Umfang eroberten und dem Land seinen heutigen Namen gaben. Vorübergehend kam es dann unter die Herrschaft der fränkischen Könige und nahm von römischen Glaubensboten das Christentum an. 864 unterwarfen sich die Kroaten den griechischen (byzantinischen) Kaisern, machten sich aber nach wiederholten Kämpfen um 900 wieder unabhängig und bildeten ein selbständiges Reich.

Das Wappen von Dalmatien

Als Vorkämpfer für die nationale Unabhängigkeit wurde Muncimir berühmt, der den Grundstein zum kroatischen Reich legte. (Aus anderen Quellen ist bekannt, daß im Jahre 925 König Tomislav zum ersten König des unabhängigen Königreiches Kroatien, Dalmatien und Slawonien gekrönt worden ist.) Auch sein Bruder und Nachfolger Krešimir I. wirkte in diesem Sinne, noch mehr aber Krešimir II. (der Große), den besonders die Bulgaren fürchteten. Er eroberte das gesamte dalmatische Küstenland bis Ragusa (Dubrovnik). Nachdem sie im Besitz der Küste waren, bauten die Kroaten eine große Flotte, mit der sie zuerst Seeraub, dann aber auch Handel trieben. Krešimirs Sohn Dirzislav führte zuerst den Titel "König von Kroatien", und zwar mit Bewilligung des griechischen Kaisers, den er 994 als seinen Oberherrn anerkannte. Sein Sohn Krešimir Peter, einer der größten Nationalhelden, vergrößerte sein Reich zu Wasser und zu Land und nannte sich auch "König von Dalmatien" (1050), was dann auch sein Nachfolger Zvonimir Demetrius (1075-1089) tat. Mit Stephan (Dirzislaw) II., Krežimirs II. Neffen, der 1089 für kurze Zeit auf den Thron gelangte, erlosch dieser alte Zweig der kroatischen Könige.

(Aus anderen Quellen, z.B. Dr. Srećko M. Džaja, ist bekannt, daß Zvonimir I., der mit der Schwester des awarischen (ungarischen) Königs verheiratet war, ihren Ehemann im Auftrag ihres Bruders ermorden ließ, damit das awarische Königshaus auch das Königreich Kroatien, Dalmatien und Slawonien übernehmen konnte und damit der Weg zum Mittelmeer frei war. Warum dieses Ereignis häufig verschwiegen wird, ist nicht bekannt.)

Nun kam es zu von der Witwe und awarischen Königsschwester angestachelten Thronstreitigkeiten im Land, in deren Folge (1091) der ungarische König Ladislaus das binnenländische Kroatien durch Unterwerfungsverträge mit den kroatischen Fürsten an sich brachte. Nach Ladislaus' Tod versuchte Kroatien die ungarische Herrschaft abzuschütteln, wurde aber von König Koloman 1097 wieder unterworfen, der mit den zwölf mächtigsten Fürsten von Kroatien einen Vertrag schloß, wonach diese unter der Lehnshoheit Ungarns stehen und durch Personalunion mit diesem Königreich vereinigt, in allen inneren Angelegenheiten aber selbständig sein sollten. (Darüber wurde im Jahre 1102 der „Pacta conventa“ abgeschlossen, womit das erste und selbständige kroatisch, dalmatinische und slawonische Königreich untergegangen ist.)

Seitdem blieb Kroatien mit kurzen Unterbrechungen mit Ungarn vereinigt. Seit der Mitte des 15. Jahrh. wurde Kroatien fast fortwährend von den Türken (Osmanen) attackiert. Nachdem König Ferdinand I. aus dem Haus Habsburg-Österreich im Jahre 1526 zum König von Ungarn erwählt worden ist, huldigten ihm im Jahre 1527 auch die kroatischen Stände. Später veranlasste der wachsende Verlust kroatischen Landes an die Türken die administrative Schöpfung eines neuen ungarischen Kroatien durch Aufnahme der drei (bisher slawonischen) Komitate: Zagreb, Varaždin und Križevci in dasselbe. 1592 eroberten (und besetzten)die Türken die Festung Bihać in Kroatien, die neben ein paar umliegenden Orten seitdem in türkischer Gewalt verblieb.

Teil des Bollwerks gegen die Türken Ein Grenzturm im Tal bei Martin Brod

Die eigentliche Grenze aber wurde erst 1699 im Karlowitzer Frieden festgelegt, in dem der Sultan alles Land jenseits der Una an das österreichische Kroatien abtrat. Im 16. Jahrhunder hielt auch die Reformation in Kroatien Einzug, wurde aber in den Jahren 1607-10 mit Gewalt wieder ausgerottet.

In Slawonien waren die ersten Bewohner die Skordisker, später die Pannonier, welche Kaiser Augustus unterjochte. Das Land gehörte nun zu Pannonia inferior, hatte aber auch den Eigennamen Pannonia Savia. Gegen Ende der großen Völkerwanderung füllten Slawenstämme unter awarischer Oberhoheit das Land zwischen der Drau und Save und gerieten als pannonische, mit Kroaten nochmals vermischte Slawen unter fränkische Herrschaft. Syrmien, der einstige Gau der Römerstadt Sirmium, führte bei den Byzantinern den Namen "Frankochorion". Das Zwischenstromland der Drau und Save geriet nach Erstarken der chorwatischen Fürstenmacht unter deren Herrschaft und hieß bei den Magyaren Tótország, Slavonia im lateinischen, "windisches" Land im deutschen Sprachgebrauch, zum Unterschied vom südlich angrenzenden Altkroatien (magyar. Horvátország), seitdem die Ungarn um 1091 es mit Ungarn als Provinz vereinigt hatten und hier ein Bistum, das Zagreber, errichteten. Nachdem sie auch um Syrmien viele Kämpfe mit dem griechischen Kaiserreich bestanden, behielten sie es ab 1165 für immer. Erst seit 1491-1516 gesellte sich zu dem ungarischen Königstitel rex Dalmatiae et Croatiae (Türkisch- und Hochkroatien) der Beisatz et Slavoniae. Infolge der türkischen Eroberung wurde ein Teil Slawoniens später als "Kroatien" von "Slawonien" im engern Sinn und Syrmien abgeteilt. Die Türkenherrschaft verschlang großenteils diese Gebiete. Unter Kaiser Leopold I. wurde ganz Slawonien zurückerobert und im Karlowicer Frieden 1699 an Österreich abgetreten.

Das Wappen von Österreich-Ungarn
Das Küstengebiet entwickelte sich einerseits aus den Hafenstädten Rijeka und Kraljevica unter Karl VI. als innerösterreichisches Küstengebiet, anderseits aus den 1746-48 kameralisierten Gütern der erloschenen Grafenhäuser Frangipani (Frankophani) und Zyrinski mit Trsat als Vorort, und war ab diesem Zeitpunkt österreichisches Küstengebiet unter der Aufsicht des Wiener Hofkommerzienrats und der Triester Seebehörde. Im engern Sinn schloß diese Bezeichnung das Gebiet von Rijeka aus. 1776 wurde das österreichische Küstengebiet aufgehoben, der Strand in drei Komitate aufgeteilt und mit Kroatien vereinigt. Die Stadt Rijeka, welche Kaiser Friedrich III. von den Herren von Walsee 1471 gekauft hatte, war bis 1746 autonom, wurde 1776 dem Königreich Kroatien zeitweilig einverleibt, 1779 aber als ein für sich bestehender und integrierter Teil der ungarischen Krone erklärt. Nach Beendigung der französischen Revolutionskriege wurde Rijeka ab 1823 wieder mit der ungarischen Krone vereinigt.

Von 1767 bis 1777 wurden Kroatien, Slawonien und Dalmatien "Illyrien" genannt und von einer illyrischen Hofdeputation in Wien regiert. Später bildete jedes dieser Gebiete ein eigenes Königreich, jedoch blieben die Militärgrenzen getrennt und behielten ihre eigene militärische Verfassung. Von 1809-13 gehörte das Gebiet rechts der Save zum französischen Kaiserreich und bildete die beiden illyrischen Provinzen Croatie civile und Croatie militaire. Seit 1814 galten Kroatien und Slawonien wieder als Land der ungarischen Krone, als "partes adnexae", wie die Magyaren, "regna socia", wie die Kroaten sagen, hatten aber eine selbständige Verwaltung und jeweils eigene Sprache sowie besondern Munizipalfreiheiten. Das bedeutete, daß Kroatien nur die halbe Reichssteuer entrichtete und dieselbe vom Zagreber Landtag (Sabor) selbständig umgelegt wurde. Als jedoch Ungarn um 1840 die magyarische Sprache als offizielle Sprache einzuführen versuchte, erboste das die Kroaten. Die stammverwandten Slawen Ungarns an schlossen sich ihnen an. Graf Drašković war das Haupt der kroatischen "nationalen" Partei, welche Kroaten, Slawonen und Serben zu einem illyrischen Volk, die Königreiche Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu einem dreieinigen Königreich vereinigen wollte. Die Bewegung wurde von Ludwig Gaj auf publizistischem Gebiet in ihren Bestrebungen unterstützt. Bei den Komitatswahlen 1842 kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der magyarischen und illyrischen Partei, doch siegte die letztere.

(In Folge der französischen Revolution) im Frühjahr 1848 regte sich auch in Kroatien die nationale Partei; der Haß gegen das Magyarentum (die revolutionären Ungarn) wurde fanatisch gepredigt und die Vereinigung der slawischen Gebiete Krains, Kärntens und Steiermarks mit Kroatien gefordert. Am 23. März 1848 wurde der Kroate Josip Jellačić, ein eifriger Nationaler, zum Banus ernannt, der den Ratschlägen des Nationalkomitees folgte und sich in offene Opposition gegen die ungarische Regierung, ja gegen den Wiener Hof selbst setzte. Endlich verbündete er sich, dem Volkswillen folgend, ganz offen mit der radikalen illyrischen Partei und beschleunigte die eigenmächtige Eröffnung des Landtags in Agram, die am 5. Juni 1848 in Anwesenheit zahlreicher Deputierter aus andern slawischen Ländern durch eine Rede des Banus erfolgte. Aber die Dalmatiner, das Küstengebiet und Rijeka beschickten den Landtag nicht, und zwischen Kroaten und Serben kam es sofort zum Streit über die Grenzen ihres Gebiets. Mitte Juni wurde eine kroatische Deputation zum Kaiser nach Innsbruck geschickt, während die Ungarn vom Kaiser bereits das Manifest vom 10. Juni 1848 erwirkt hatten, welches die kroatischen Forderungen unter schroffem Tadel zurückwies. Die Aufregung unter den Südslawen stieg infolgedessen immer mehr, und nachdem alle Vermittlungsversuche gescheitert waren und 31. August 1848 auch von seiten des Kaisers die Ansprüche der Kroaten eine Art Sanktion erhalten hatten, überschritt am 11. September 1848 die Vorhut des kroatischen Heers die Drau in Richtung Ungarn. Von nun an operierten die Kroaten im Einverständnis mit der österreichischen Armee zur Bezwingung der ungarischen Revolution, welche im August 1849 auch gelang. Die Reichsverfassung von 1849 sprach die Trennung Kroatiens und Slawoniens von Ungarn aus, und die beiden Königreiche wurden zu einem Kronland, zu welchem jetzt auch das Küstenland und die Stadt Fiume mit ihrem Gebiet gehörte. Die syrmischen Bezirke Ruma und Ilok fielen an die neue "Woiwodschaft Serbien".

Nach der zehnjährigen Reaktionsperiode (1850-60) erschien am 20. Oktober 1860 das "Oktober-Diplom", welches von den Kroaten freudig begrüßt wurde. Aber die "Februarverfassung" vom 26. Februar 1861 mit ihrer strafferen Zentralisation widersprach den Autonomie-Bestrebungen der Kroaten. Der erste kroatische Landtag wurde wegen seiner starken Ablehnung der neuen Verfassung und seiner Forderung eines nur durch Personalunion mit Österreich verbundenen großen südslawischen Königreichs aufgelöst und es wurde mehrere Jahre kein neuer berufen. Erst am 12. November 1865 wurde wieder ein Landtag (Sabor) eröffnet, in welchem es gleich wieder zu heftigen Streitigkeiten zwischen der magyarischen und der slawischen Partei über das Verhältnis zu Ungarn kam. Die nationale Partei in Kroatien, deren Führung (der deutschstämmige) Bischof Josip Stroßmayer übernahm, wollte weder eine Gesamtsstaatsverfassung noch eine Erneuerung der alten Union mit Ungarn, sondern ein eignes Königreich mit der Militärgrenze, Dalmatien und den Kvarnerischen Inseln sowie ein eignes verantwortliches Ministerium. Diese Forderung erhob auch der im Dezember 1866 wieder einberufene Landtag und lehnte jede Beschickung des Pester (Budapester) Reichstags kategorisch ab, worauf er 25. Mai 1867 aufgelöst wurde. Die Regierung erzwang nun entschlossen und entschieden die Unterordnung Kroatiens unter die Stephanskrone (die Finanzen wurden dem ungarischen Ministerium unterstellt, ungarnfreundliche Beamte eingesetzt, auch ein neuer Banus, Baron Rauch, ernannt), so daß die Neuwahlen, welche Ende 1867 nach einer provisorischen Wahlordnung erfolgten, eine ungarisch gesinnte Majorität ergaben. Diese nahm im am 9. Januar 1868 in Zagreb eröffneten Landtag, nachdem die nationale Opposition unter Protest ausgeschieden war, in einer Adresse 29. Januar 1868 den Dualismus und die Wiedervereinigung mit Ungarn an und wählte eine ungarnfreundliche Deputation. Diese brachte 25. Juli in (Buda)Pest den Ausgleich mit Ungarn zustande, der besagte, daß Kroatien in das Unterhaus des Reichstags 29 und in das Oberhaus, außer den kroatischen Magnaten, 2 Deputierte senden konnte. Von den Landeseinkünften mußte es 55 Prozent nach Pest abführen, 45 Prozent, die von Ungarn mit 2½ Mill. Gulden garantiert wurden, konnte es für seine besonderen Angelegenheiten behalten. Darüber hinaus sollte im ungarischen Ministerium ein Minister für Kroatien sitzen, in Zagreb eine dem Landtag verantwortliche Regierung mit dem Banus an der Spitze stehen und die Amtssprache das Kroatische sein. Ende September wurde dieser Ausgleich ratifiziert und am 24. November 1868 hielten die kroatischen Deputierten nach 20jähriger Trennung Einzug in den Pester Reichstag. Im Mai 1870 wurde auch der Status von Rijeka geklärt, indem die Stadt an Ungarn und das Küstenland an Kroatien fiel. Der revidierte Ausgleich von 1873 setzte den Kroatien vorbehaltenen Teil der Einkünfte auf 3½ Mill., die Zahl der Deputierten zum Reichstag auf 34 fest.

Durch das kaiserliches Manifest vom 15. August 1873 wurde auch die kroatisch-slawonische Militärgrenze aufgelöst und der Zivilverwaltung unterstellt. Über die Verwendung des Vermögens des Militärgrenzbezirkes wurde im Jahre 1877 ein Vertrag mit Ungarn abgeschlossen. Die komplette Einverleibung dieses Gebietes in Kroatien erfolgte am 15. Juli 1881. Die Führer der Rechtspartei suchten die Verhandlungen des Landtags durch Schmähungen und Störungen zu verhindern, was jedoch nicht gelang, da die Mehrheit des Landtags, die Nationalpartei, zusammenhielt. Der Anführer der Rechtspartei, Ante Starčević, wurde im Jahre 1885 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er den Banus Graf Khuen tätlich angegriffen hat.

(Meyers Konversations-Lexikons von 1889)

Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von meyers-konversationslexikon und Meyers Lexikon online

Für die Zeit von 900 bis 1114 gibt es hier im Lexikon eine andere Schilderung, die von diesem Eintrag abweicht und ausführlicher ist.

Infolge der Entwicklungen im 10. Jahrhundert, wurde der kroatische Fürst Tomislav I., der im Jahre 910 geborene Nachfahre des Fürsten Trpimir, im Jahre 924 mit vierzehn Jahren König von Kroatien, Slawonien und Dalmatien. Damit entstand die erste kroatische Köningsdynastie. Ob sich Tomislav I. die Königskrone selbst aufs Haupt setzte, oder ob er von den einheimischen Fürsten gewählt wurde, ist nicht mehr genau festzustellen. Darüber, von wo ihm die Königswürde verliehen wurde, von Byzanz oder von Rom, liegen keine Dokumente vor. Fest steht jedoch, daß ihn kurz danach Papst Johann X. in einem Brief als König angesprochen hat.

Durch die faktische Bestätigung des Papstes war dieses Königreich, wie in der damaligen Zeit üblich, ein völkerrechtlich anerkannter Staat in Europa. Somit hatten die Fürsten ihr erstes eigene Königreich gegründet und sich vom Joch ausländischer Mächte befreit. Die historische Dimension dieses Geschehens für die Zukunft, war noch nicht abzusehen.

Der neue Staat umfaßte Gebiete in Slawonien, große Teile Bosniens, Kernkroatien und die dalmatinische Küstenregion. Es war ein beachtlicher Prestigeerfolg erzielt worden. In den anderen südosteuropäischen Gebieten, außer in Bulgarien und Byzanz, gab es damals nur mehr oder weniger kleine Fürstentümer.

Durch das Eindringen der unchristlichen awarischen Magyaren nach Pannonien, erfolgte eine für die europäische Geschichte höchst bedeutsame Teilung. War vorher der gesamte Raum zwischen Ostsee und Ägäis von slawischen Stämmen bewohnt, so wurden durch die Festsetzung der Awaren die Südslawen von den West- und Ostslawen getrennt.

Für den jungen Staat sollte sich der Überfall der Awaren, die in der Zwischenzeit christianisiert worden waren, verhängnisvoll auswirken. Deren Festsetzung in Pannonien hatte schon im Jahre 997 zur Gründung einer königlichen Arpadendynastie in Ungarn geführt. Deren erster König, Stephan I., der Heilige, war vom Papst gekrönt worden. Diese Dynastie hat später auch in Kroatien, Dalmatien und Slawonien eine bedeutende Rolle gespielt.

Bereits als Fürst hatte Tomislav I. erste kriegerische Auseinandersetzungen an der Nordgrenze mit den Awaren, denen es nicht gelang, zu verhindern, daß er große Gebiete im pannonischen Raum eingenommen hat. Nur Syrmien, die Gegend um Zemun und Ostslawonien, konnten die Awaren besetzen.

Im großen und ganzen hat der junge König Tomislav I. sein Land erfolgreich gegen magyarische Angriffe verteidigt. Seine politischen Pläne waren sehr weitreichend. Aus diesem Grund baute er eine Streitmacht auf, die nach Angaben des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. 100.000 Mann Fußvolk, 60.000 Reiter und 180 Kriegsschiffe zählte. Mit den Byzanthinern lebte er friedlich und war als deren Bundesgenosse willkommen. Der Bündnisvertrag mit ihnen unterstellte dem König die gesamte dalmatinische Küste, also auch die, bis dahin formell byzantinischen Hafenstädte Split, Trogir und Zadar, sowie die Adria-Inseln. Bis auf das zwischen dem Frankenreich von Kaiser Karl dem Großen und Venedig geteilte Istrien, waren nun alle Kroaten, Dalmatiner und Slawonen im Königreich von Tomislav I. vereint.

Jetzt konnte Bulgarien von Byzanz und Kroatien in die Zange genommen werden. Zar Simeon hat die vom byzantinischen Kaiser Konstantinis VII. aufgewiegelten Serben, die noch nicht in einem Staat vereint waren, im Jahre 924 in einem erfolgreichen Kriegszug besiegt und deren Gebiete an sich bringen können. Das führte zu einer serbischen Massenflucht nach Kroatien. Über dieses Ereignis wird weder in der serbischen noch in der internationalen Geschichtsschreibung berichtet.

Zar Simeon von Bulgarien erlitt eine empfindliche Niederlage. Daraufhin mußte er einen von Papst Lando vermittelten Friedensvertrag akzeptieren. Bei dieser Gelegenheit erkannte Papst Lando nochmals den Königstitel von König Tomislav I. an, was einer zweiten völkerrechtlichen Anerkennung dieses Staates gleich kam.

Nach einer Konsolidierungsphase herrschte König Tomislav I. über Slawonien, Nord- und Süddalmatien sowie Teile der vorgelagerten Inseln, über Istrien, Bosnien und weitere Gebieten Südosteuropas. In Montenegro übte er einen so beherrschenden Einfluß aus, daß zu dieser Zeit zwischen Kroatien und Bulgarien eine gemeinsame Grenze bestand. Eine gewaltige Flottenmacht ließ ihn sogar in der Adria gegenüber Venedig und Byzanz bestehen. Im blühenden Alter von achtzehn Jahren ist er im Jahre 928 gestorben.

Seine Nachfolger konnten den Territorialbestand und die Machtstellung des Königreichs nicht behaupten. Innere Streitigkeiten schwächten die Handlungsfähigkeit des Herrscherhauses. Die romanisch geprägten Städte an der Küste suchten Kontakte zu dem stärker werdenden Venedig. Die Stadt Dubrovnik machte sich selbständig und konnte mit Geschick ihre Stellung als Stadtrepublik bis in die spätere napoleonische Zeit bewahren.

Die inneren Streitigkeiten wurden auch unter den nachfolgenden Königen fortgeführt. Dazu gehörten die Könige Trpimir II., von 928 bis 935, Krešimir von 935 bis 945. Die Ermordung von König Miroslaw, der ab 945 König war, durch den Ban Pribina im Jahre 949, stellte den Höhepunkt der inneren Streitigkeiten des Adels dar.

Erst durch König Mihajlo Krešimir II., der von 949 bis 969 herrschte, und vor allem durch König Stjepan Drzislav, der von 969 bis 997 regierte und ein neues Bündnis mit Byzanz abgeschlossen hatte, konnte die Situation konsolidiert werden. Byzanz übersandte ihm Krone, Zepter, Reichsapfel und Purpurmantel und außerdem die Anerkennung seiner Autorität auch über Dalmatien. Unter ihm gab es zum ersten Mal eine Vorform des kroatischen Wappens, ein rot-weißes Schachbrettmuster. Diese Fahne ist heute wieder, mit einer Wappenkrone der Teilregionen versehen, die Flagge der Republik Kroatien.

Danach drohte das Königreich von Kroatien zwischen seinen erstarkenden Nachbarn Venedig im Westen und Ungarn im Nordosten zerrieben zu werden. Für Byzanz wurde die Verständigung mit Venedig wichtiger, als das Bündnis mit dem durch die Streitigkeiten der Söhne von König Drzislavs geschwächten Kroatien. Der byzantinische Kaiser Baseleos II. erinnerte sich daran, daß Dalmatien eigentlich ein byzantinischer Verwaltungsbezirk war, und übertrug dessen Administration an den Dogen von Venedig, Peter Orseolo. Die Republik Venedig war im Jahre 452 n.Chr. als Zufluchtsort vor den Hunnen gegründet worden und hatte großes Interesse an den adriatischen Küstengebieten. Das venezianische Staatsoberhaupt, der Doge, verstand es um die Jahrtausendwende, geschickt gegen den kroatischen Konkurrenten vorzugehen und mit seiner riesigen Flottenexpedition besetzte er im Mai des Jahres 1000 die wichtigsten Küstenpositionen und Inseln von Kroatien.

Trotz ihrer starken Flotte konnten die Nachfolger von König Stjepan Drzislav, König Svetoslav von 997 bis 1000 und König Krešimir III. von 1000 bis 1035, die alten Positionen nicht halten bzw. zurück erobern. Wie die anderen Inseln auch, war die Insel Krk besetzt, und die Städte Zadar, Trogir und Split von Venedig eingenommen.

Auch die nachfolgenden Könige Stjepan I. und König Krešimir IV. konnten in den Jahren 1035 bis 1058 keine entscheidende Änderung herbei führen. Die adriatischen Küstengebiete und die Inseln waren nicht mehr mit dem Königreich verbunden.

Die Situation wurde dadurch noch erschwert, daß ein weiterer unchristlicher türkischer Volksstamm, nämlich die Kumanen, nach Südosteuropa vorgestoßen sind. Diesen gelang es sogar, im Jahre 1064 bis an die venezianisch besetzte Adriaküste bei Zadar vorzudringen.

Die dann folgende Zeit wurde in großen Teilen Europas durch Papst Gregor VII. geprägt, der am 22.4.1073 als Nachfolger von Papst Alexander auf den Heiligen Stuhl gekommen ist. Auch Südosteuropa ist von seinem Wirken wesentlich beeinflußt worden, insbesondere das kroatisch, dalmatinische und slawonische Königreich war unmittelbar betroffen.

Papst Gregor VII., über dessen Abstammung nichts bekannt ist, kam bereits in jungen Jahren nach Rom, wo er sich zeitweise im Marienkloster aufgehalten hat. Im Jahre 1047 begleitete er Papst Gregor VI. in die Verbannung nach Deutschland. Als dieser im Jahre 1049 nach Rom zurückgeholt wurde, war Gregor bereits Mönch. Im Jahre 1050 wurde er mit der Leitung eines Klosters in Rom beauftragt. Danach wurde er zum päpstlichen Legaten ernannt und reiste in den Jahren 1054 und 1056 nach Frankreich und im Jahr 1057 an den deutschen Hof. Ab Herbst 1059 war er für die Finanzverwaltung der römischen Kirche verantwortlich und gewann dadurch zunehmend an Einfluß auf die päpstliche Politik. Bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für Papst Alexander wurde er am 22.4.1073 von der römischen Bevölkerung zum Papst erhoben. Dieses Verfahren, das einen Verstoß gegen das Dekret zur Papstwahl bedeutete, wurde erst nachträglich von den Kardinälen legalisiert. Sofort widmete er seine ganze Kraft der Verwirklichung einer Kirchenreform. Dazu veranstaltete er in Rom regelmäßig Fastensynoden. Trotz dieser Reformen, blieb die königliche Investiturpraxis erhalten und unangetastet. Das bedeutete, daß nur derjenige als König anerkannt wurde, der durch den Papst oder einem von ihm betrauten Legaten die Königswürde erhalten hatte. Durch das von ihm erlassene "Dictatus papae" wurde der Führungsanspruch des Papstes innerhalb der Kirche wie auch in der weltlichen Gewalt erkennbar. Wie schon seine Vorgänger, versuchte Papst Gregor VII. verschiedene europäische Reiche durch lehensrechtliche Beziehungen an die römische Kurie zu binden. Dieses Vorhaben konnte jedoch nicht in allen Ländern Europas realisiert werden. Im Königreich Kroatien, Dalmatien und Slawoniend hatte er auch nur dadurch Erfolg, weil eine erhebliche Gefahr bestand, daß unchristliche Kumanen dieses Königreich noch einmal angreifen würden. Dem kroatischen König Krešimir IV. blieb gar nichts anderes übrig, als die lehensrechtlichen Beziehungen zu akzeptieren. Der normannische Wilhelm I. von England lehnte allerdings die aus der Verleihung der Petersfahne abgeleiteten lehenshoheitlichen Ansprüche ab, und beschränkte sich auf die Zahlung eines Peterspfennigs. König Philipp I. von Frankreich, der entschiededn dagegen war, drohte Papst Gregor VII. mit dem Kirchenbann und der Absetzung. Er vermied aber dennoch den offenen Bruch. Auch der ungarische Arpadenkönig Geza I. lehnte die lehenshoheitlichen Ansprüche ab und begründete dies damit, daß er die königliche Krone vom byzantinischen Kaiser Michael VII. erhalten habe. Es ist nicht möglich, hier alle Reformen von Papst Gregor VII., wie z.B. die Einführung des Zölibats, zu beschreiben. Er starb im Jahre 1085 in Salerno in der Verbannung. Seine angeblich letzten Worte waren "Ich liebte die Gerechtigkeit und haßte das Unrecht. Darum sterbe ich in der Verbannung." Im „Lexikon der Päpste“ von Hans Kühner beschreibt dieser ihn folgendermaßen:

Dieser Papst ist eine der bedeutendsten, wie auch am schwersten zu durchschauenden Gestalten der Papstgeschichte, wie der Weltgeschichte. Der letzten Greifbarkeit entzieht er sich völlig, obwohl sein reiches Schrifttum einen untrüglichen Spiegel seines Charakters überliefert. Menschlich ist ihm kaum eine sympathische Seite abzugewinnen. Ihn kennzeichnen Kraft und Verstand, Unbeugsamkeit und Willensmacht. Eigenschaften, die von Härte, Fanatismus, Maßlosigkeit, Grausamkeit, Rührseligkeit und Haßgefühlen ebenso durchzogen waren, wie vom klaren Bewußtsein seiner Bedingtheit hier, und seiner Erbheiligkeit dort. Kein Wort charakterisiert ihn so zutreffend, wie das des großen Kirchenlehrers Petrus Damiani, der ihn gründlicher als andere gekannt hat. Dieser bezeichnete ihn als den „heiligen Satan“.

König Krešimir IV., der durch lehensrechtliche Beziehungen mit der römischen Kurie verbunden worden war, ist im Jahre 1074 gestorben. Sein Nachfolger mußte unter den neuen Bedingungen gefunden werden. Aufgrund des Beschlusses der kroatischen Fürsten, ist der Ban Zvonimir aus Slawonien sein Thronerbe geworden. In Slawonien hatte sich Zvonimir große Verdienste erworben und war dort außerordentlich beliebt. Der Thronerbe mußte vor seiner Krönung die Bedingungen des Papstes akzeptieren. Hätte er sie abgelehnt, wäre er vom strengen Papst nicht zum König gekrönt worden.

Im September des Jahres 1075 schickte Papst Gregor VII. seine beiden Legaten Gebizon und Fulkon nach Kroatien. Diese erklärten Zvonimir I. die päpstlichen Krönungsbedingungen.

Ban Zvonimir I. hat den beiden zugesichert, daß er dem Papst treu und ergeben sei und seine Anordnungen befolgen werde. Daraufhin hat ihn der päpstliche Legat Gebizon am 9.10.1075 in einer feierlichen Zeremonie in Solin, in der Nähe von Split, zum König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien gekrönt. Mit der königlichen Krone erhielt er auch gleichzeitig andere königliche Insignien. Durch Annahme der Petersfahne, dem Papstwappen, gab er nochmals klar zu erkennen, daß er mit der lehensrechtlichen Bindung des Königreichs an die Kurie einverstanden war.

Der neue König versprach dem heiligen Stuhl, daß er bei der Glaubenserneuerung und bei der Kirchenverteidigung helfen werde. Außerdem versprach er jährliche Geldgeschenke und die Abgabe des zehnten Teils seiner Einnahmen an die Kurie. Weiterhin versprach er den Verkauf von Menschen als Sklaven und den Schutz von Witwen, Waisen und Armen. Außerdem überließ er dem Papst das Kloster des hl. Grgur in der Ortschaft Vrana, welches als Hospiz für die päpstlichen Legaten genutzt werden sollte.

Nach seiner Krönung versuchte König Zvonimir I. nochmals die an Venedig verlorengegangen Gebiete an der Küste wieder zurückzuerobern. Zu diesem Zweck verlegte er seine Königsresidenz von Knin nach Biograd na moru, in der Nähe von Zadar. Trotz aller Anstrengungen ist es ihm aber nicht gelungen, die Gebiete wieder vollständig in sein Königreich einzugliedern.

Das arpadisch-ungarische Königshaus hatte schon längere Zeit Gelüste, sich bis ans Mittelmeer auszudehnen. Dem stand das Königreich der Kroaten, Slawonen und Dalmatiner im Wege. Deshalb gab es für sie nur zwei Möglichkeiten: entweder man führte einen Krieg, dessen Ausgang ungewiß war, oder man versuchte, verwandtschaftliche Verbindungen mit diesem Land herzustellen. Krieg oder Heirat, diese beiden Möglichkeiten waren damals auch in anderen Ländern gängige Praxis, um fremde Gebiete beherrschen zu können. Geschickt verstand es der Arpadenkönig Ladislaus I., der Heilige, seine Schwester Helene mit König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu verheiraten. Helene war die Tochter des ungarischen Königs Bela I. und seiner Ehefrau Richza von Polen, einer Tochter des Herzogs Mieszko II. von Polen. Damit war der erste Schritt getan, und die Könige Ladislaus I. und Zvonimir I. waren verschwägert.

Die weitreichende Bedeutung und die Gefahren dieser Hochzeit hat König Zvonimir I. mit Sicherheit nicht erkannt, da er in gutem Glauben handelte. Die Wahrheit kam erst später ans Licht. Es stellte sich nämlich heraus, daß diese Ehe bewußt vom ungarischen Königshaus aus imperialistischen und machtpolitischen Gründen eingegangen wurde. König Ladislaus I. hat seine Schwester Helene dafür benutzt, den kroatischen König an sich zu binden. Vertrauensselig ist König Zvonimir I. davon ausgegangen, daß ihm durch diese Heirat von Norden, also von Ungarn, keine Gefahr mehr drohte. Er pflelgte von sich aus gute Beziehungen zu seinem Schwager und hat geglaubt, damit sein eigenes Königreich zu stabilisieren.

Im Laufe der Ehe stellte sich dies als Irrglaube heraus. Es ist auffallend, daß sein einziger Sohn, Radoslav, bereits im Kindesalter unter nicht geklärten Umständen gestorben ist. Auch ist auffallend, daß über Einzelheiten seiner Eheschließung mit Helene keine Fakten zu finden sind. Es stellt sich also die Frage, welche Kreise damals und später ein Interesse daran hatten, so wenig wie möglich darüber bekannt werden zu lassen.

Ein Chronist der damaligen Zeit, dessen Name nicht bekannt ist, berichtete etwa 60 Jahre nach dem Tod von König Zvonimir I. begeistert, „daß zur Zeit des guten Königs Zvonimir I. große Freude im ganzen Lande herrschte. Es war Überfluß an Gütern aller Art vorhanden und die Städte besaßen einen großen Reichtum an Silber und Gold. Die Armen fürchteten nicht, von den Reichen ausgebeutet zu werden, die Schwachen nicht die Starken, der Diener nicht, daß ihm sein Herr ein Unrecht antun werde. Der König Zvonimir I. hielt seine schützende Hand über alle, und so wie er nichts unrechtmäßiges besaß, so gestattete er auch anderen nicht, dergleichen zu tun. Das Land war voll mit Gütern aller Gattung, und der Schmuck, den die Weiber und die jungen Leute auch auf den Pferden trugen, hatte einen größeren Wert, als in anderen Ländern ein ganzer Besitz. Und das Land Zvonimirs I. war voll Üppigkeit und Überfluß, es fürchtete Niemand, noch konnte ihm Jemand schaden, ausgenommen der Zorn des allmächtigen Gottes“.

König Zvonimir I. war sehr fromm und hat die katholische Kirche unterstützt. Deshalb hat er sie und ihre Klöster reich beschenkt. Eine seiner bekanntesten Schenkungen ist das Kloster Sv. Lucija in Baška auf der Insel Krk.

Aus der Regierungszeit von König Zvonimir I. sind nur wenige Dokumente überliefert. Als wichtigstes und ältestes Dokument aus dieser Zeit wird von der Geschichtswissenschaft die im Jahre 1851 in der Nähe von Baška gefundene Steinplatte angesehen. Dieser Platte, die von Forschern untersucht worden ist, kann man entnehmen, daß es im 11. Jahrhundert ein kroatisches Königreich gegeben hat. In altkroatischer čakavischer Sprache und in glagolischer Schrift ist folgendes in den Stein eingemeißelt worden:

"Ich, im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes. Ich, Klostervorsteher Drziha schrieb dies über Brachland, das gab Zvonimir, König Kroatiens, in seinen Tagen der Heiligen Lucija. Es zeugen mir Dešimir, Gespan von Modruš, Martin aus Lika, Pribineg Vertreter in Vinodol und Jakov von der Insel. Wer das leugnet, soll verdammt sein von Gott, den 12 Aposteln, den 4 Evangelisten und der heiligen Lucija. Amen. Der wer hier lebt, soll für sie bei Gott beten. Ich, wohltätiger Klostervorsteher, erbaue diese Kirche in den Tagen, in denen Fürst Kozmat im ganzen Grenzgebiet regiert hat. Es war in diesen Tagen eine Einheit mit dem Kloster des heiligen Mikula in Otočac und mit der Kirche der heiligen Lucija".

Erstaunlich, und nicht geklärt, ist die Tatsache, daß der Klostervorsteher schreibt, daß er das Brachland von König Zvonimir I. erhalten hat, denn zu diesem Zeitpunkt stand die Insel Krk unter der Herrschaft von Venedig und nicht unter der Herrschaft des Königs Zvonimir I.

Darüber, wie König Zvonimir I. am Ende starb, gibt es unterschiedliche Berichte. Der kroatische Historiker Srečko M. Džaja kommt in einem Artikel in dem „Biographischen Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“, herausgegeben in München, zu dem Ergebnis, daß er im Jahre 1089?, nachdem er fünfzehn Jahre regiert hatte, ermordet worden ist.

Wer genau ihn ermordet hat oder wer den Auftrag dazu erteilt hat, ist niemals bekannt geworden. Wenn man sich die damalige Geschichte genau betrachtet, können aber nur zwei Tätergruppen in dafür in Frage kommen. Zum einen die Ungarn, die Expansionsgelüste zum Mittelmeer hatten, oder einheimische Fürsten, die neidisch und machtgierig waren.

Auffallend ist, daß dieses Ereigniss bei den Päpsten offensichtlich keine Reaktionen hervorgerufen hat. Der papstgetreue kroatische König Zvonimir I., der das päpstliche Lehen verwaltet hat, ist ermordet worden und der heilige Stuhl hat nicht darauf reagiert. Es ist auch erstaunlich, daß in Kroatien selbst einige Historiker lapidar der Ansicht sind, man könne darüber nichts sagen, weil erstmals 200 Jahre später überhaupt von seinem Tod berichtet wurde.

Die Ermordung dieses papstfürchtigen, frommen und offensichtlich vom Volk geliebten Königs, war für ganz Südosteuropa von außergewöhnlicher Bedeutung. Kurz bevor er ermordet wurde, umfaßte das kroatische Königreich ein Gebiet von der Morava bis zum Mittelmeer, einen Teil des heutigen Serbien, das ganze Gebiet von Bosnien und der Herzegowina, wie auch die Gebiete von Kern-Kroatien, Slawonien, Dalmatien und Istrien.

Über die Amtszeit von König Zvonimir I. kann man nur unvollständige Angaben machen, weil nur sehr wenige Dokumente darüber erhalten sind. Über die Jahre danach, von 1089 bis 1102, also dreizehn Jahre kroatischer, dalmatinischer und slawonischer Geschichte, kann man selbst bei sorgfältiger Prüfung keine verbindlichen Einzelheiten finden. Warum auch immer, es gibt nur sehr wenige Quellen, die auf diese Periode eingehen.

Aufgrund der Thronfolgebestimmungen ist Stjepan II. nach dem Tode von König Zvonimir I. im Jahre 1089 von einer Mehrheit der kroatischen Fürsten zum Thronfolger gewählt worden. Nach dem Tod von Stjepan II. im Jahre 1091 hatte Peter I. Anspruch auf den Thron. Warum und weshalb beide nicht gekrönt worden sind, erfährt man, wenn man die Machenschaften in dieser Zeit untersucht.

Betrachtet man das, was man erfahren kann, mit der notwendigen Skepsis, kann man sehr schnell feststellen, daß die Ereignisse dieser Zeit aus Sicht derjenigen geschildert werden, die sich letztendlich mit ihren Machtansprüchen durchgesetzt haben. Selbst wenn nur sehr wenige Dokumente zur Verfügung stehen, kann man durch logische Überlegungen den Geschichtsablauf rekonstruieren.

Nachdem Zvonimir der I. im Jahre 1089 ermordet worden war und keinen unmittelbaren Thronfolger hinterließ, hätte ihm nach den Thronfolgeregeln der Fürst Stjepan II. folgen müssen. Er ist noch im gleichen Jahr von einer Mehrheit der einheimischen Fürsten zum König von Kroatien, Slawonien und Dalmatien gewählt worden. Nachdem auch er nach nur zwei Jahren Amtszeit im Jahre 1091 gestorben ist, mußte ein neuer König gewählt werden. Im Jahre 1093 einigte man sich auf den kroatischen Fürsten Petar I., der aber nur noch für Kroatien und Dalmatien gewählt werden konnte, weil die Ungarn in Slawonien bereits einen Neffen des ungarischen Königs als König eingesetzt hatten.

Aus welchen Gründen auch immer, die beiden kroatischen und dalmatinischen Könige sind nicht vom Papst gekrönt worden, obwohl dieser Staat de facto noch in lehensherrschaftlicher Verbindung mit dem römischen Klerus stand. Der ermordete König Zvonimir I. hatte seine Lehenspflichten ordnungsgemäß und pünktlich erfüllt. Demzufolge hatten die kroatischen Fürsten ein Anrecht darauf, daß der von ihnen ausgewählte König vom Papst oder von einem von ihm beauftragten Legaten gekrönt wird. Darüber, ob und wie der Klerus seine Rechte durchsetzte und weshalb er die gewählten Könige nicht gekrönt hat, ist nichts bekannt geworden.

In diesem Zusammenhang muß die Frage erlaubt sein, weshalb die Krönung nicht erfolgte, und aus welchen Gründen der Klerus nicht darauf achtete, daß seine Lehensrechte gewahrt wurden. Es besteht die Möglichkeit, daß der Klerus zu dieser Zeit sehr viel mit anderen inneren und äußeren Problemen beschäftigt war. Deshalb hat man sich vielleicht nicht um die "Kroatienfrage" kümmern können oder kümmern wollen.

Die einheimischen Fürsten hatten sich in freier Selbstbestimmung dafür entschieden, ihren eigenen Staat und ihren eigenen König behalten zu wollen. Sie hatten die Jahre der Fremdherrschaft überwunden und wollten nun, wie andere Völker in Europa auch, über ihr Schicksal selbst bestimmen. Dass dies nicht möglich war, werden die nun folgenden Ausführungen zeigen.

Nachdem König Zvonimir I. ermordet worden ist, versucht die arpadisch-ungarische Königsdynastie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ihren alten Drang zum Mittelmeer zu befriedigen. Man konnte eine unmittelbare kriegerische Auseinandersetzung dadurch vermeiden, dass man die Schwester des ungarischen Königs mit dem kroatischen König verheiratet hat. Der einzige Sohn aus dieser Ehe und Thronaspirant war unter ungeklärten Umständen schon sehr jung gestorben und für den ermordeten König mußte ein Nachfolger gefunden werden.

Nun konnte der Plan verwirklicht werden, den man schon vor der Hochzeit hatte. Hinzu kam, daß der deutsche Kaiser Heinrich IV. die Herrschaft über den Landweg nach Rom hatte und der ungarische König einen Seeweg von der Adriaküste nach Rom suchte.

Deshalb erzählte die Witwe Helena, natürlich in Absprache mit ihrem Bruder, dem ungarischen König Ladislaus I. die Legende, daß sich die einheimischen kroatischen Fürsten nicht auf einen Nachfolger für den ermordeten Ehemann, einigen konnten. Gerne ließ sich der König bitten, in dieser Situation einzugreifen. Diese unbewiesene Darstellung ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. In seinem Buch "Geschichte der Balkanländer" schreibt der angesehene deutsche Historiker Prof. Edgar Hösch: "Das kroatische nationale Königtum des Mittelalters scheiterte schließlich nach der Ermordung Zvonimirs 1089 an der Unfähigkeit der Stammesfürsten, sich auf einen gemeinsamen Thronkandidaten zu einigen und den chaotischen bürgerkriegsähnlichen Zuständen zu wehren. Ungarn wußte die Situation geschickt zu nutzen. Im Einvernehmen mit einer ungarnfreundlichen Adelsgruppierung, ließ sich König Ladislaus I ins Land rufen".

Es ist möglich, daß Hösch zu diesen Ausführungen kommt, weil der katholische Geistliche Thomas im 13. Jahrhundert folgendes darüber geschrieben hat: "Und es entstand unter allen Großen des Königreiches eine große Uneinigkeit, und als jeder von ihnen - bald der eine, bald der andere -, darnach trachtete, die Macht an sich zu reißen, kam es zu unzähligen Gewalttaten. Raub, Mord und jede Art von Übel waren auf der Tagesordnung, weil einer den anderen ununterbrochen verfolgte und hinzumorden trachtete".

Aus den Schriften des Geistlichen Thomas kann man auch erfahren, daß sich einer der Fürsten von Slawonien, den seine Gegner verfolgten, nach Ungarn an den Hof des Königs Ladislaus I. geflüchtet habe. Er forderte diesen auf, sich des Königreichs Kroatien zu bemächtigen. König Ladislaus I. hat eine solche Aufforderung schon deshalb gerne befolgt, weil ihn angeblich auch andere Fürstengruppen darum gebeten haben. Es gibt keine Belege darüber, daß nach der Ermordung von König Zvonimir I. eine völlige Geschlossenheit unter den kroatischen Fürsten herrschte. Fest steht aber, daß sie selbst im Jahre 1089 in freier Selbstverwaltung den Fürsten Stjepan II. als Thronfolger gewählt haben. Dass dem arpadisch-ungarischen König Ladislaus I. dieser Thronfolger nicht ins Konzept paßte, ist bei allem, was vorher geschehen ist, verständlich.

Aus dieser Situation heraus entstanden schwere Machtkämpfe und die Intriegen der beiden Gruppen, die sich gegenüberstanden, konnten nicht zu einer friedlichen Einigung führen. Die Gruppe der wenigen einheimischen Fürsten, die mit der Witwe Helena befreundet war, konnte aus einer viel besseren Machtposition heraus operieren. Der Mehrheit der kroatisch/dalmatinisch national gesinnten Fürsten, stand nicht den Machtapparat zur Verfügung, wie der anderen Gruppe. Eine Ursache dafür war auch, daß sie nicht die Unterstützung des Papstes hatten. Den Mittelpunkt dieser Bewegung bildete Kroatien, Dalmatien und Bosnien.

Helena hat sich an die Spitze von ein paar ungarnfreundlichen Fürsten in Slawonien gestellt und setzte sich ausschließlich für ihre Neffen Almos und Koloman ein. Ihre Verbindungen nach dort waren ausgezeichnet, denn ihr verstorbener Ehemann war, bevor er König von Kroatien wurde, schon Banus von Slawonien. Er hatte dort besonders viele Getreue, weil er durch seinen Heldenmut in den Kämpfen gegen die Byzanthiner und Bulgaren, viel Ruhm und ergebene Anhänger gefunden hatte.

Angeblich letztendlich nur mit dem Einverständnis der ungarnfreundlichen Adelsgruppierungen ließ sich der ungarische König Ladislaus I., der Heilige, im Jahre 1091 ins Land rufen und besetzte es. Dass er damit in Konflikt mit Papst Urban II., der das ganze Königreich noch als päpstliches Lehen betrachtete, kam, ignorierte er völlig.

Für die weitere Entwicklung in Kroatien, Dalmatien und Slawonien ist es wichtig, sich mit der Person des Königs Ladislaus I. zu beschäftigen. Er wurde als zweiter Sohn des Königs Bela I. und der Tochter des polnischen Herzogs Mieszko II. im Jahre 1046? geboren. Schon als Prinz spielte er in der Landespolitik eine bedeutende Rolle und verhalf seinem älteren Bruder Geza I. 1074 zum Thron. Nach dessen Tod im Jahre 1077 wurde er selber zum König erhoben und durch seine majestätische Erscheinung, seine ritterlichen Tugenden und staatsmännischen Fähigkeiten zum Inbegriff des christlichen Herrscherideals. Er wehrte in den Jahren 1085 und 1091 die Einbrüche der heidnischen türkischstämmigen Kumanen erfolgreich ab. Durch seine geschickte Außenpolitik festigte er die internationale Lage Ungarns gegenüber Ansprüchen des Deutschen Reiches. Weiterhin baute er die königliche Zentralgewalt mit Hilfe einer modernen Gesetzgebung und der Stärkung des feudalen Eigentums kräftig aus. Ladislaus I. vollendete die hierarchische Struktur Ungarns und förderte durch Klostergründungen die kirchliche Kunst und Kultur. Der Kirche machte er große Schenkungen und gründete die Bistümer Großwardein und Zagreb. Außerdem unterstützte er die gregorianischen Reformbewegungen durch die Synode zu Szaboles und ließ den ersten Arpadenkönig Stephan I., dessen Sohn Emmerich sowie den Bischof Gerhard heilig sprechen. Aus seiner Ehe gingen zwei Töchter hervor. Eine wurde die Frau des byzantinischen Kaisers Johannes Komnenos, die andere wurde Frau des russischen Fürsten Jaroslaw. Söhne hatte er nicht und ist am 29.07.1095 gestorben. Seine letzte Ruhestätte fand er in der von ihm erbauten Kathedrale von Großwardein.

Genau wie es die Witwe Helena und ihr Bruder König Ladislaus I. beabsichtigt hatten, ging man nun in den königslosen Gebieten vor. Ladislaus I. nahm nicht selber den Königsthron ein, sondern setzte im Jahre 1091, weil er keine eigenen Söhne und nur zwei Töchter hatte, den jüngsten seiner zwei Neffen, den dreiundzwanzigjährigen Almos, als König im besetzten Slawonien ein. Die Pläne, ihn als König von ganz Kroatien und Dalmatien einzusetzen, konnte er nicht verwirklichen, was daran lag, daß sich die einheimischen Fürsten einen eigenen König gewählt hatten.

Eine Besetzung wie in Slawonien war in Kroatien und Dalmatien zunächst nicht möglich. Die Besetzung ist auch deshalb nicht gelungen, weil ihn der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos von den türkischen Kumanen angreifen ließ.

Der jüngste Neffe von König Ladislaus I., Almos, der nun König von Slawonien war, ist um 1068 geboren worden. Sein Vater war König Geza I., der Bruder von Ladislaus, und seine Mutter war Synadena von Byzanz, die zweite Frau von Geza I. und Tochter des Theodorus von Byzanz. Er heiratete die Predslawa von Kiew, die Tochter des Großfürsten Swatopolk II. von Kiew.

Die Zeit von Almos als König von Slawonien war aber nur von kurzer Dauer, denn es kam schon sehr bald zu seiner Absetzung und seine Interessen sollten mit einem Lehen in Ungarn befriedigt werden. Er hatte nur einen Sohn, der später in dem Adelsgeschlecht der Arpaden eine größere Rolle spielen sollte.

Der ältere Neffe von König Ladislaus I., Koloman, ist im Jahre 1065 geboren. Sein Vater war Geza I., der Bruder von Ladislaus I., und seine Mutter war Sophie von Looz, die Tochter von Burggraf Giselbert von Mainz. Als sich Ladislaus I. im Jahre 1093 im Investiturstreit und wegen der Kroatienfrage gegen Papst Urban II. wandte, emigrierte Koloman nach Polen und knüpfte dort seine Verbindungen. Schon zwei Jahr später, also 1095, übernahm er auf Bitte des sterbenden Königs Ladislaus im Alter von 30 Jahren den ungarischen Thron. Damit war Koloman I. König von Ungarn. Kraft dieses Amtes entthronte er im darauffolgendem Jahr seinen jüngeren Halbbruder Almos als König von Slawonien. Er belehnte ihn mit dem Ducatus in Ungarn. Nun war Slawonien wieder ohne König.

Damit war Almos allerdings gar nicht einverstanden, er stellte sich ab dem Jahre 1098 mehrmals gegen Koloman und mischte sich in die Außenpolitik ein. Das führte unter den Stiefbrüdern zu langjährigen und heftigen Auseinandersetzungen, die dazu führten, daß im Jahre 1106 Almos, sogar mit Hilfe polnischer Truppen, gegen seinen Stiefbruder vorging. Der wiederum, konnte die Angriffe abwehren und vor einer geplanten Verschwörung ließ Koloman schließlich seinen Stiefbruder und dessen 5 jährigen Sohn Bela II. im Jahre 1113 derartig blenden, daß beide blind wurden.

Koloman lispelte und stotterte. Abgesehen davon war er aber sehr gebildet. Über seine Person wird berichtet, daß er eher klein, behaart und buckelig war. Er lernte in seiner Kindheit in Klosterschulen, und für die damalige Zeit war es ungewöhnlich, daß er lesen und schreiben konnte. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß er sich mit Büchern und Schriften umgab. Er wurde auch König Koloman, der Bücherfreund, genannt.

Um 1097 schloß Koloman im Alter von 32 Jahren seine erste Ehe mit Felicie von Sizilien, Tochter des Herzogs Roger I.. Aus dieser Ehe ist nur ein Sohn, und zwar der 1101 geborene Stefan, hervorgegangen. Nachdem seine Felicie bereits im Jahre 1102 starb, heiratete er 1104 die Tochter des Großfürsten Wladimir II, Eufemia von Kiew. Er erwischte sie bei einem Ehebruch, ließ sich jedoch nicht scheiden, sondern schickte sie zu ihrem Vater zurück.

Aufgrund seiner Bildung regierte Koloman im Geist und in der Tradition des ersten Arpadenkönigs Stephan I., dem Heiligen. Der aus Deutschland stammende Würdenträger Bischof Hartwick erhielt von ihm persönlich den Auftrag, die wahre Lebensgeschichte des Heiligen Stephan I. aufzuschreiben. Hartwick stellte fest, daß König Stephan von Papst Silvester II. gekrönt worden war und auf seinem Sterbebett erklärt hat, daß er das Land dem Schutz der Heiligen Maria anvertraut. Gleichzeitig ernannte er sie zur Schutzpatronin der ungarischen Nation.

Zu den besonderen Verdiensten von Koloman gehört seine eindeutige und unmißverständliche Ablehnung der Hexenverfolgungen. In einem von ihm erlassenem Gesetz hieß es: "Über Hexen, die es in Wahrheit nicht gibt, soll es keinerlei Klage geben". Dieses Gesetz rettete viele Frauen vor dem Feuertod auf dem Scheiterhaufen.

Die Kontinuität der christlichen Religion sah er in der Tätigkeit des Klerus. Deshalb ordnete er an, daß "unwissende Priester nicht geweiht werden, und diejenigen Unwissenden, die schon geweiht sind, sollen lernen oder abgesetzt werden." Trotz des geschilderten Charakters und trotz seiner christlichen Bildung und Einstellung, versuchte er, nachdem er König von Ungarn geworden war, den alten arpadischen Drang zur Adriaküste zu erfüllen.

In regelrechten Feldzügen hat er nach und nach neben Slawonien auch Kroatien und Dalmatien unterworfen und lokale Widerstandszentren gegen die ungarische Herrschaft gebrochen. Der Kleinkrieg gegen die im Landesinneren vordringenden Heere, der ab 1091 auch mit venezianischer und normannischer Unterstützung von den Küstengebieten organisiert worden war, ist nach der entscheidenden Schlacht und nach dem Überschreiten des Kapela-Gebirges in der Petrova Gora von Koloman gewaltsam beendet worden.

Trotz dieser Gewalttätigkeiten versuchte er, auf dem Verhandlungsweg die Zustimmung der kroatisch/dalmatinischen Fürsten zu bekommen, die ihn aus nationalen Interessen ablehnten und ihn nicht wählen wollten. In dieser schwierigen Situation gab er, vor dem eigentlichen Wahlakt, in der Fürstenstadt Krizevci eine schriftliche Erklärung ab, in der er für sich und seine Nachfolger feierlich versicherte,

  • daß er die souveräne Unabhängigkeit des Königreiches Kroatien schützen werde
  • daß er über die Freiheit der Wahl der geistlichen und weltlichen Oberhäupter wachen werde
  • daß er das althergebrachte Volksgesetz und die Verfassung schützen werde
  • daß er sich verpflichtet, nicht zuzulassen, daß sich in Kroatien auch nur ein Ungar oder sonstiger Ausländer ansiedelt, wenn dies nicht von den Kroaten ausdrücklich gewünscht werden sollte
  • daß er sich und seine Nachfolger verpflichtet, sich auch in Kroatien krönen zu lassen
  • daß er sich verpflichtet, die Staatsgeschäfte des Königreichs Kroatien, in Kroatien, unter Mitwirkung des kroatischen Volkes zu erledigen.

Der Kriegsherr, der noch kurz vorher versucht hat, zumindest einen Teil des Volkes niederzumetzeln, hat nun diese Versprechen abgegeben. In ihrer Not und nach entsprechendem Druck, gaben die kroatisch/dalmatinischen Fürsten nach und sie schlossen im Jahre 1102 mit dem Arpadenkönig den "Pacta conventa", der in der adriatischen Küstenstadt Zadar geschlossen wurde. Danach wurde Koloman die Krone des verstorbenen Königs Zvonimir aufgesetzt. Die meisten Gelehrten gehen davon aus, daß diese Krönungszeremonie ebenfalls in Zadar stattgefunden hat.

Der König aus dem Hause der Arpaden, Koloman, hatte ab diesem Zeitpunkt ganz offiziell den Titel König von Ungarn, Kroatien und Dalmatien.

Es ist davon auszugehen, daß er, also König Koloman I., sich an seine Versprechungen halten wollte. Nach seiner Krönung erteilte er Privilegien und bestätigte die aus früheren Zeiten bestehenden Previlegien sowohl der Stände, als auch der Städte und Gemeinden. Davon profitierten vor allem die Städte Split, Trogir und Sibenik sowie die Gemeinde Omis.

Es ist festzuhalten, daß das „dreieinige Königreich von Kroatien, Dalmatien und Slawonien, auch wenn es einen ungarischen König hatte, seine Sozialstruktur und seine eigenen Landesgesetze behalten konnte. Allerdings gingen die unmittelbare Verwaltungsgewalt und das Heer in die Verfügungsgewalt des neuen Königs über. Im Lande selbst sollte ein Ban als königlicher Stellvertreter (Statthalter) zusammen mit der Landesversammlung, dem Sabor, die nationale Autonomie und die privilegierte Stellung des Adels bewahren. Der Sabor selbst setzte sich aus Vertretern der Standesherren und der Fürstenhäuser zusammen.

Die Zeit von König Koloman I., der im Jahre 1114 seinen Sohn Stefan II. zum König von Kroatien und Dalmatien ernannte, ist von inneren Reformen geprägt. Das kann man aus seinen neuen Gesetzen und Synodalbeschlüssen entnehmen. Verordnungen gegen die Kirche, wie z.B. die Rücknahme von Geschenken, trugen aber zur negativen Darstellung seiner Person in den Chroniken bei.

(Siehe auch: kroatische Geschichte) Quellen: Wikipedia, Meyers Konversationslexikon

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