Nesactium
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Lage des Nesactium
Die Stadt liegt im Südosten Istriens, in der Nähe der Budava-Bucht beim Ort Vižače, rund 10 Kilometer östlich von Pula.
Anreisetipps zum Nesactium
Geschichte und Wissenswertes über das Nesactium
Seit dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. kam dem Ort eine immer stärkere Bedeutung zu. Er lag auf einem leicht zu verteidigenden Bergplateau unweit der tief ins Land reichenden Budava-Bucht. So bot er einen sicheren Hafen für die zur Nordadria verlaufenden Schifffahrtsrouten und auch auf dem Landweg war er ein wichtiger Umschlagplatz. Das Umland mit weiten Wäldern, großen landwirtschaftlich nutzbaren Zonen und vor allem reichlich Wasserreserven, bot für die Bevölkerung vorzügliche Lebensbedingungen.
Man kann davon ausgehen, daß Nesactium seit der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. Residenz- oder Hauptstadt der Histrier war. Freigelegte Steinskulpturen und Reliefplatten sind ein Beweis dafür und auch dafür, daß die Siedlung zugleich ein überregionales Kulturzentrum war.
Wertvolle Funde wurden hier aus über hundert Urnengräbern geborgen. Es handelte sich sogar um Edelkeramik, so daß man Rückschlüsse darauf ziehen konnte, daß hier schon etwas Reichtum herrschte.
In der griechischen Literatur ist der früheste schriftliche Hinweis auf die Histrier im 6. Jh. v. Chr. zu finden. Sie waren nicht nur erfahrene Seeleute, sondern auch als Piraten gefürchtet. Ihre schnellen und wendigen Boote waren den schwerfälligen Handelsschiffen weit überlegen. Ihre Kapernfahrten beeinträchtigen schließlich sogar die Versorgung des Römischen Reiches und bereits im 3. Jh. v. Chr. bahnten sich deshalb Konflikte an.
Nach dem Sieg der Römer über Karthago im 2. Punischen Krieg (218-201 v. Chr.), strebten diese die Herrschaft im gesamten Mittelmeerraum an. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf Istrien, und so waren es eher politische und wirtschaftliche Gründe, die sie veranlaßten, gegen die Histrier militärisch vorzugehen.
Die alles entscheidende Schlacht um Nesactium im Jahr 177 v. Chr. beschreibt der römische Historiker Titus Livius so:
- „Wenige Tage vorher hatten Junius und Manlius begonnen, die Stadt Nesactium, wohin sich der Führer der Histrier und ihr Fürst Aepulo selbst zurückgezogen hatten, mit aller Macht anzugreifen. Dorthin führte Claudius seine beiden neuen Legionen, entließ das alte Heer mit seinen Feldherrn, belagerte selbst die Stadt und beabsichtigte, sie mit Sturmdächern anzugreifen und gab einem Fluß, der an ihren Mauern vorbei floß und der beim Angriff ein Hindernis bildete und die Histrier mit Wasser versorge, in mehrtägiger Arbeit ein neues Bett und änderte seinen Lauf. Dies versetzte die Barbaren in Staunen und Schrecken. Aber auch jetzt dachten sie nicht an Frieden, sondern machten sich daran, ihre Frauen und Kinder umzubringen, und damit diese schreckliche Tat auch den Feinden ein Schauspiel bot, töteten sie die ganz offen auf der Mauer und stürzten sie dann hinab. Unter dem Geschrei der Frauen und Kinder und während des unsagbaren Gemetzels überstiegen die Soldaten die Mauer und drangen in die Stadt ein. Als der König aus dem bangen Geschrei der Flüchtenden merkte, daß die Stadt eingenommen war, stieß er sich sein Schwert in die Brust, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Die übrigen wurden gefangen oder erschlagen. Darauf wurden die beiden Städte Mutila und Faveria mit Gewalt genommen und zerstört. Die Beute war bei einem so armen Volk wider Erwarten groß und wurde ganz den Soldaten überlassen. 5632 Menschen wurden als Sklaven verkauft. Die für den Krieg Verantwortlichen wurden mit Ruten geschlagen und mit dem Beil enthauptet. In ganz Histrien kehrte durch die Zerstörung der drei Städte und den Tod des Königs der Friede ein, und alle Stämme schickten von überall her Geiseln und kamen zur Unterwerfung.“
Auf den Trümmern des prähistorischen Kastellieres entstand in der Folgezeit ein römisches Munizipium. Neue Wehrmauern, ein prunkvolles Forum mit drei Tempeln, Straßen und luxuriöse Wohngebäude veränderten nachhaltig das Bild von Nesactium. Auch gab es in der Stadt früh eine christliche Gemeinde. Zwei Basiliken, vermutlich aus dem 4. oder 5. Jh., sprechen dafür, daß in dieser Epoche Nesactium Sitz eines Bischofs war.
Anfang des 7. Jh. ging der Ort in den Wirren der slawisch-awarischen Völkerwanderung dann endgültig unter.
1877 stieß dann Pietro Kandler auf die Ruinen von Nesactium, ohne zu wissen, daß es sich um die histrische Hauptstadt handelt.
Die ersten Ausgrabungen begannen im Jahr 1900 und 1901, dabei wurde eine Inschrift zu Ehren von Kaiser Gordianus geborgen. In ihr wird auch Nesactium erwähnt. Es gab jetzt keinen Zweifel mehr, man hatte die histrische Metropole entdeckt.
Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1981 wurde im Zentrum der Siedlung unter den Fundamenten eines römischen Tempels noch ein besonders üppig ausgestattetes Grab entdeckt. Die Exklusivität der Ausstattung – Silberschmuck, Bronze und Bernstein, Keramik aus dem ägäischen Raum, Gefäße aus den südalpinen Regionen sowie die Situla mit einer Schiffskampfszene – läßt vermuten, daß dies die letzte Ruhestätte einer aristokratischen Familie war.
Allen Grabungserfolgen zum Trotz, hat der Kastelliere bis heute sein Geheimnis bewahrt. Detaillierte Kenntnisse über seine innere Struktur und über die Art und Größe der Gebäude konnten nicht gewonnen werden.
In einem Archäologenhäuschen kann man sich anhand von Dokumentationen und Lageplänen über die Ausgrabungen informieren. Hier sind auch einige wenige Fragmente aus der Blütezeit zu sehen. Die schönsten Fundstücke können im Archiologischen Museum in Pula besichtigt werden.
An Ort und Stelle sieht man heute noch auf dem flachen Hügel den doppelten Mauerring der historischen Festung.
Aus der Römerzeit sind die Grundmauern von drei Tempeln (der größte der Eia gewidmet) geblieben und östlich davon befand sich das Forum.
Rundherum finden sich die Reste der Häuser, erkennbare weiläufige Thermen, Zisternen und öffentliche Bauten.
Der zweite große Grundmauerkomplex stammt aus dem 5. Jh. und läßt eine frühchristliche Doppelbasilika erkennen, nachgestaltet dem Vorbild in Aquilija.
Webtipps über das Nesactium
Quelle: Istrien, Eine archäologische Endeckungsreise v. Hans-Dieter u. Elke Kaspar



