Von der Frühzeit bis zum byzantinischem Reich
Aus kroatien-lexikon.de
Wegen der topographischen Gegebenheiten war der heutige Staat Kroatien von der Frühzeit der Geschichte an, in drei verschiedene Gebiete (aber auch Königreiche) aufgeteilt: Kern-Kroatien, Dalmatien und Slawonien.
Da ist zunächst einmal der 1777 km lange Küstenstreifen am adriatischen Meer, mit seinen rund 1185 kleineren und größeren vorgelagerten Inseln. Knapp hinter der Küste erhebt sich, bis auf 1400 Meter Meereshöhe, ein riesiges und steil ansteigendes Gebirgsmassiv. Dies erstreckt sich vom Norden (Istrien) bis zum Süden hinter Dubrovnik. Das gesamte Küstengebiet ist früher im allgemeinen als Dalmatien bezeichnet worden.
Das zweite Gebiet ist die Gebirgsregion und Mittelgebirgsregion, die vom Norden über Gorski-Kotar, Mala und Velika Kapela, Velebit bis nach Süden und von dort bis weit hinein ins Landesinnere reicht. Dieses Gebiet ist als Kern-Kroatien zu bezeichnen.
Danach folgt die pannonische Tiefebene, die bis nach Ungarn im Norden und Serbien im Osten reicht. Natürliche Grenzen werden hier durch die Flüsse Donau und Save gebildet. Dieses Gebiet bezeichnet man als Slawonien (keinesfalls als Slowenien). Dort war immer aus dem Landesinneren, eine Verbindung zum zentraleuropäischen Festland vorhanden.
Die unterschiedlichen Gebiete haben die Menschen von je her verschiedenartig geprägt. Während die Küstenbewohner, also die Dalmatiner, meist Seefahrer, Händler und Weinbauern waren, sicherten sich die Bewohner aus dem Landesinneren, also von Kern-Kroatien und Slawonien, überwiegend aus der Landwirtschaft ihr Einkommen.
Im Rahmen dieser bäuerlichen Umgebung entwickelte sich auch mehr oder weniger Handel und Handwerk. Das war allerdings in Slawonien wesentlich leichter als in Kern-Kroatien, weil die landwirtschaftlichen Nutzflächen aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten viel besser waren. Die Kern-Kroatische Mittelgebirgslandschaft war überwiegend bewaldet und aus dem kargen Boden konnten nur geringe Erträge erzielt werden.
Durch das Hindernis des Gebirges war ständig, selbst bis ins 20. Jahrhundert hinein, eine natürliche Trennung zwischen dem Küstenland und dem Binnenland vorhanden. Diese Situation ist vom Beginn der Besiedlung dieses Gebietes bis in die Gegenwart von großer Bedeutung. Weil sich die damaligen topographischen Verhältnisse nicht verändert haben, ist heute noch zu erkennen, dass dieses Gebirge ein regelrechtes Bollwerk von der Küste ins Landesinnere dargestellt hat. Das Gebirge ist sehr steil und zur damaligen Zeit glaubte man, es sei unüberwindbar. Wenn man sich in die Frühzeit zurück versetzt, ist zu erahnen, welche Leistungen notwendig waren, um ins Landesinnere gelangen zu können. Es ist festgestellt worden, dass es von der Küste nur sehr wenige Wege über die Berge ins Landesinnere gegeben hat.
In der Frühgeschichte von Südosteuropa sind nur wenige politische Einigungsimpulse wie in anderen Gebieten Europas ausgegangen. Die Ursache dafür ist einfach zu finden. Die offene Nordgrenze (pannonischer Raum) und die lange Küstenzone, hat schon frühester Zeit als Anreiz für Zuwanderer und Eroberer gewirkt. Hinzu kam noch, daß dieses Gebiet, bis auf die Küstenregionen, außerordentlich dünn besiedelt war. An der Nahtstelle zwischen Europa und Asien ist die südosteuropäische Halbinsel durch die Jahrhunderte den verschiedenartigsten äußeren Einwirkungen ausgesetzt gewesen. Dieser Teil Europas war lange Zeit ein klassisches Übergangs- und Durchzugsgebiet und damit ein Versammlungsgebiet von verschiedenen Völkern und Kulturen. Hier traf sich der Okzident mit dem Orient, die westlich-abendländische und die orientalische Welt, kontinentaleuropäische und mediteranisch-europäische Völker. Letztendlich haben die Römer, Illyrer, aber auch Goten, Kelten, Griechen, Byzanthiner, Arpaden, Mongolen, Venezianer, Germanen, Deutsche (Österreicher) Italiener, Osmanen (Türken), Normannen, Franzosen, Franken, Ungarn (Madjaren) und nicht zuletzt die Slawen, ihre Spuren hinterlassen. Ob damit tatsächlich alle Völker genannt sind, sei dahin gestellt.
Die Vorrömische Bevölkerung des Binnenlandes bestand hauptsächlich aus illyrischen Völkern im Westen und den Thrakern im Osten. Sie sind der griechischen Einwanderungswelle gefolgt und haben die eigentliche Urbevölkerung unterworfen. Die Küstenzone an der Adria erschlossen Siedler aus Korinth in Griechenland, die sich nach und nach wagten, auch an die nördliche Adria vorzudringen. Eine regelrechte griechische Kolonisierung der adriatischen Küste erfolgte im 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr.
Die Romanisierung nahm im 3. Jahrhundert v. Chr. ihren Ausgang von den römischen Legionslagern und Garnisonsstädten in Mazedonien und von der dalmatinisch-albanischen Küste und im Donauraum. Allerdings hatte sich die römische Reichsmacht erst nach langem Zögern zu einem dauernden machtpolitischen Übergreifen auf die südosteuropäische Halbinsel entschließen können. Die Bedrohung der adriatischen Seefahrt durch die Illyrer und allgemeine strategische Überlegungen brachten Rom auf die Idee, dem Hilfegesuchen griechischer Küstenstädte und italienischer Kaufleute Gehör zu schenken. Über ein Jahrhundert wurde die römische Macht an der Adriaküste in einen erbitterten Kleinkrieg mit illyrischen und keltischen Stämmen verwickelt, ehe gezielte Vorstöße in das Landesinnere eine Wendung gebracht haben.
Der westliche Teil von Südosteuropa bis in die pannonische Tiefebene hinein ist an Rom angegliedert worden. Die Donau wurde schon im 3. Jahrhundert n.Chr. zur römischen Reichsgrenze. Nach dem systematischen Auf- und Ausbau einer einheitlichen Verwaltung (römisches Provinzialsystem) und nach der in erbitterten Kleinkriegen erreichten Befriedung, hat das natürliche Übergewicht der Römer und die Einführung der römischen Reichssprache, dazu geführt, daß die einheimischen Lebensgewohnheiten grundlegend umgeformt und verändert worden sind. Das Provinzlatein wurde die neue Umgangssprache der einheimischen Bevölkerung und die bestehenden Volkssprachen starben langsam aus. Trotzdem mußten sich die Römer die geistige Herrschaft über die südosteuropäische Halbinsel mit der überlegenen griechischen Kultur teilen. Das bedeutete, daß Südosteuropa zweisprachig wurde. Ein Teil sprach griechisch und ein anderer Teil sprach lateinisch.
Der planvoll betriebene Ausbau eines römischen Wegenetzes mit der Anlage befestigter Plätze und Städte sowie die Einführung einer geordneten Provinzialverwaltung führten danach erstmals zur Grundlage einer politischen und gesellschaftlichen Einigung. Bis heute noch, sind einmalige Baudenkmäler der damaligen Zeit erhalten geblieben. Da sind z.B. die römischen Bauten in Split, Trogir, Zadar, Poreč und Pula zu nennen. Kleinere Reste dieser Bauten sind im ganzen Land erhalten geblieben, auch in der Stadt Krk auf der gleichnamigen Insel. Diese Bauwerke sind Zeugnisse einer wunderbaren Kultur, die beweisen, daß es zu einer Entwicklung kam, die sich nicht von anderen kulturellen Entwicklungen im übrigen Europa unterschieden hat.
Von den Römern wurde der Ausbau eines Wegenetzes auch deshalb begonnen, weil sie selbst ein großes Interesse daran hatten. So wurde u.a. von der Küstenstadt Senj, wo damals der wichtigste Hafen an der nördlichen Adria lag, der erste große Handelsweg über das Kapela-Gebirge, Modruš, Tounj, Bosiljevo, Karlovac, Sisak und Zagreb in die pannonische Tiefebene gebaut, um Salz, das im Hafen von Senj ankam, mit allen, damals möglichen Transportmitteln, nach dort zu transportieren. Das weiße Gold mußte in das Landesinnere transportiert werden, weil es die Bauern dringend benötigten, um Viehhaltung betreiben zu können.
Durch ein aufwendiges Verteidigungssystem an der Nordgrenze (Donau-Limes), mit dem schon um 90 n. Chr. begonnen wurde, suchte die römische Reichspolitik ihre Besitzungen vor Einfällen anderer Völker zu schützen. Im Verband des Imperiums Romanum haben die einheimischen Menschen einen ungeahnten wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung erlebt und durch ihren Dienst im römischen Heer nicht unwesentlich zur Festigung und Bewahrung dieses Reiches beigetragen. So war es sogar möglich, daß ein aus Split (Dalmatien) stammender römischer Führer, Kaiser des Römischen Reiches (Diokletian) 284 n.Chr. wurde. Er setzte eine absolutistische Reichsreform durch und ernannte 285 n.Chr. Maximian zum Mitkaiser. Nach dieser Reichsreform wurde das Gebiet, welches vorher von den Illyrern bewohnt gewesen war, als Illyricum bezeichnet. Aus alten Dokumenten ist zu erkennen, daß die italienischen, nordwestafrikanischen, pannonischen und dalmatinischen Provinzen einem Praefectus praetorio Illyrici, Italiae et Africae unterstanden.
Diokletian hat 305 n.Chr. abgedankt und ist 313 n.Chr. in seinem Palast in Split gestorben und beerdigt worden. Kurz danach wurde eine griechische Kolonie, die 196 n.Chr. zerstört worden war und allmählich wieder aufgebaut worden ist, durch den römischen Kaiser Konstantin der Große eingenommen. Er besetzte die kleine griechische Stadt Byzantion und nannte sie Nova-Roma. Aus strategischen Gründen machte der Kaiser diese Stadt zur zweiten Hauptstadt des Römischen Reiches. Nach seinem Tod wurde die Stadt ihm zu Ehren in Konstantinopel umbenannt. Aus dem besetzten Gebiet entstand nach kurzer Zeit das byzantinische Reich, dessen politischer und kultureller Einfluss in Südosteuropa, vor allem in den Städten an der Adriaküste, immer stärker wurde.
Ein erster folgenreicher Einbruch in dieses friedliche Gebiet gelang in den Jahren 395-398 n.Chr. unter König Alarich, den Westgoten. Auf ihrer Flucht vor den nachdrängenden Hunnen und dem Zusammenbruch des Donau-Limes erzwangen sie den Zugang auf römischiches Reichsterritorium. Dabei mußten ihnen vertraglich Wohnsitze auf Reichsboden zugebilligt werden.
Im weiteren Verlauf dieser Völkerwanderung erlebte das Binnenland eine turbulente Übergangszeit. Die Goten haben sogar vorübergehend den Einzug in die Kaiserstadt (Konstantinopel) erzwungen und auf die Führung der gesamten Reichspolitik Einfluß genommen. Durch diese Ereignisse ist schließlich und letztendlich im Jahre 395 n.Chr. die Einheit des Römischen Reiches auseinander gebrochen. Es kam zur Teilung des Römischen Reiches unter dem römischen Kaiser Theodosius. Danach wurde Honorius Kaiser von Westrom und Arkadius Kaiser von Ostrom (Byzanz).
Eine weitere Völkerwanderung und der Durchzug von mongolischen Hunnen unter König Attila in den Jahren 441 - 448 n. Chr. war von verheerenden Plünderungen und Zerstörungen begleitet. Trotzdem konnte es in den Jahren 527 bis 565 n. Chr. zur Blütezeit des Oströmischen (byzantinischen) Reiches in Südosteuropa kommen. Allerdings hat man dabei versäumt, die Reichsgrenzen ausreichend vor Feinden abzusichern. Wie sich später herausstellen sollte, war es aus Sicht der Byzanthiner ein verhängnisvoller Fehler, daß im pannonischen (slawonischem) Raum keine nennenswerten Abwehrkräfte, wie vorher von den Römern, aufgestellt worden sind. In der allgemeinen Geschichtsschreibung wird darüber berichtet, daß sich danach und infolge dessen, eine awarisch-slawische "Menschenmasse" nach Südosteuropa ergoß. Schon 626 n.Chr., schloß sich zum ersten Male ein Belagerungsring um die Hauptstadt Konstantinopel.
Den angreifenden verschiedenen Völkern hatte Byzanz nur wenig entgegenzusetzen. Sie mussten auch den Slawen große Teile Südosteuropas überlassen. Zur Zeit der maximalen Ausdehnung der Siedler im Zeitraum von 600-800 n.Chr. ist der überwiegende Teil des Binnenlandes von slawischen Ackerbauern in Besitz genommen worden. Die dort lebende alte Bevölkerung ist an die Küste und auf die Inseln oder in die Gebirgsregionen abgedrängt worden. Zum Teil konnte sie sich auch noch in befestigten Städten verschanzen. Im dalmatinischen Raum hat sich die provinzialromanische Bevölkerung, die sich in die Küstenstädte zurückgezogen hatte, noch einige Zeit gegen die Siedlungsausbreitung gewehrt. Erst später wurden auch diese Küstenstädte slawisch beherrscht.
Autor: Soline


